BLUTIGE TRENNUNGEN
Frisch verlassen worden? Das britische Duo Man Without Country liefert den perfekten Soundtrack für Selbstmitleid und Rachefantasien.
Interview: Carsten Schrader
uMag: Tomas, Ryan, was sollte in der Gebrauchsanleitung für euer Debütalbum "Foe" stehen?
Tomas Greenhalf: Das erste Mal sollte man sich unsere Platte unbedingt allein anhören. Da treffen sehr melancholische, lebensverneinende und teilweise auch hasserfüllte Texte auf erbauliche Wall-of-Sound-Synthies. Wegen der wütenden Texte wäre es ideal, wenn man "Foe" direkt nach einer Trennung hört.
Ryan James: Wobei man mit der Platte nicht warten muss, bis eine Beziehung in die Brüche geht. Man darf sich auch gerne trennen, um Man Without Country kennenzulernen.
Greenhalf: Wobei es besser wäre, der Expartner wäre beim Musikhören nicht dabei ...
uMag: Dann habt ihr eure Gesichter anfangs nicht gezeigt, weil ihr Angst hattet, man könnte euch im Falle von blutigen Trennungen zur Verantwortung ziehen?
Greenhalf: Nö, wir wollten einfach, dass man unsere Musik bewertet und nicht unser Aussehen. Wir kennen das ja von uns selbst: Oft muss man nur ein Bandfoto sehen, und ohne auch nur einen einzigen Song gehört zu haben, hat man eine vorgefertigte Meinung.
uMag: Ihr habt die Verweigerung aber nicht durchgehalten, inzwischen sind auch unverhüllte Fotos von euch aufgetaucht ...
James: Am Anfang waren es Unfälle. Dann fanden wir es peinlich, dogmatisch zu sein. Jetzt behalten wir eben die Freiheit bei, uns verstecken zu können, wann immer uns danach ist.
uMag: Ihr habt euch nach einer Essaysammlung von Kurt Vonnegut benannt habt. Drückt ihr damit nicht schon aus, dass ihr euch fremd und nicht zugehörig fühlt?
James: Das war so, als wir angefangen haben, weil damals alle Gitarrenrock gehört haben. Mittlerweile sind wir nicht mehr ganz so finster drauf, und ich glaube, dass es in den Texten der nächsten Platte auch Lichtblicke geben wird.
Greenhalf: Wenn nicht, ist es aber auch nicht schlimm. Musik kompensiert ja all das, wofür man im richtigen Leben merkwürdig angeschaut werden würde - etwa die Blutgelüste nach einer Trennung. Das meinen wir doch, wenn wir von Kunst sprechen.





