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Foto Metric - FUCKED UP
Foto: Justin Broadbent
> Metric

FUCKED UP

Gitarrist und Produzent James Shaw erklärt, warum Metric ihr bisher bestes Album gelungen ist: Auf "Synthetica" klingen die Kanadier genau so kaputt, wie sie wirklich sind.

Interview: Carsten Schrader

uMag: Jimmy, um Bücher einzuschätzen, muss man sich häufig nur den ersten Satz anschauen. Das können wir ja auch mal beim neuen Metric-Album machen: "I'm just as fucked up as they say."
Jimmy Shaw: Wir hätten diesen Satz nicht an den Anfang gestellt, wenn er nicht zentral wäre. Die neuen Platte beschäftigt sich mit der Unterscheidung, was fake und was echt ist. Es geht darum, sich selbst zu akzeptieren, wie man ist. Wir wissen das alle, aber wirklich bewusst machen wir es uns nicht: Am Anfang haben wir im Internet mit unserer Identität gespielt, um uns selbst zu finden, während Facebook heute fast allen beim Verstecken des wahren Ichs hilft.

uMag: Musstet ihr als Band auch erst lernen, das eigene Ich zu akzeptieren?
Shaw: Klar, wenn du in der Musikindustrie mitmischst, potenziert sich das Problem. Aber ich bin stolz darauf, dass wir sehr früh den Absprung geschafft haben, indem wir uns mit unserer eigenen Plattenfirma so weit wie möglich von äußeren Erwartungen und unserer eigenen Gefallsucht unabhängig gemacht haben. Meiner Meinung nach haben wir uns jetzt mit "Synthetica" zum ersten Mal wirklich gefunden. Viele Elemente aus unserer Vergangenheit gehen hier zusammen, Elektronik und Gitarren stehen so nebeneinander, wie es schon immer hätte sein sollen.

uMag: Ist es nicht ein Widerspruch in sich, wenn eine Band vorgibt, authentisch zu sein?
Shaw: Das ist in Verruf gekommen, weil natürlich auch Authentizität als Marketingstrategie ausgeschlachtet wurde. Aber ich glaube nach wie vor an Ehrlichkeit, wobei ich das nicht als ein zwingend notwendiges Kriterium für eine Band formulieren würde. Das offene und intelligente Spiel mit einem Image kann Inhalte auf einem ähnlichen Niveau transportieren.

uMag: Also gibt es Parallelen zwischen Metric und etwa Lady Gaga?
Shaw: Zu Lady Gaga sehe ich die Verbindung nun gerade nicht, denn hinter ihrem Spiel mit Images erkenne ich nicht mehr sie als Künstlerin, sondern nur noch einen riesigen Marketingapparat. Da kommt es nicht mehr auf die einzelne Inszenierung an, sondern nur noch auf permanente Veränderung an sich.