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Foto Dirty Projectors - VERSTÖREND EINGÄNGIG
Foto: Jason Frank Rothenberg
> Dirty Projectors

VERSTÖREND EINGÄNGIG

Exzessive Stimmakrobatik, atonale Experimente, sogar eine Hardcoreoper: Den Dirty Projectors traut man mittlerweile alles zu. Und trotzdem ist es der Band um den New Yorker David Longstreth wieder gelungen, die Fans zu schockieren.

Interview: Carsten Schrader

uMag: David, sind auf eurem siebten Album deshalb konventionelle Songs zu hören, weil du dir überlegt hast, womit du die Fans am meisten überraschen kannst?
David Longstreth: Ha, darüber kann man streiten - denn meiner Meinung nach ist momentan nichts unkonventioneller als klassisches Songwriting. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass Remixversionen mittlerweile oft wichtiger sind als der ursprüngliche Song, wenn ich mich plötzlich für das Zusammenspiel von Text und Melodie auf einer ganz simplen Ebene interessiere. Für mich persönlich war es jedenfalls die größtmögliche Herausforderung, der ich mich stellen konnte: Was bleibt, wenn ich mich nicht hinter einem großangelegten Konzept verstecken kann und es mir verbiete, den Kern eines Songs mit einer verkopften Spielerei zu überdecken?

uMag: Dann ist "Swing Lo Magellan" dein bisher persönlichstes Album?
Longstreth: Wenn ich einen Song schreibe, dann ist der immer persönlich. Egal, wie verschwurbelt und codiert ein Text letztlich ist, für mich selbst ist der intime Zugang immer nachfühlbar. Aber es ist das direkteste Album, weil es keine Leerstellen gibt, die der Hörer selbst besetzen muss. Jeder kann nachvollziehen, worum es mir in den Songs geht.

uMag: Bestimmt hat dich das Thema Liebe besonders gereizt, weil viele Texter das Liebeslied wegen der Klischeefalle für tot erklärt haben, oder?
Longstreth: Das ist besonders im Hinblick auf den Song "Irresponsible Tune" interessant, in dem es darum geht, dass wir nur noch damit beschäftigt sind, die unzähligen Möglichkeiten durchzuspielen, mit denen wir uns darstellen können. Wir bauen unsere Identität aus Zitaten und Bezügen. Ich will hier aber gar nicht den Kulturpessimisten raushängen lassen. Es gibt ja immer noch Songs, die unmittelbar berühren. Vielleicht muss ein Zitat oder ein vermeintliches Klischee einfach nur wirklich gefühlt werden, damit es seine Wirkung erhält? Letztlich weiß ich es auch nicht - aber ich finde es faszinierend, mich damit zu beschäftigen.