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"WIR GLAUBEN NICHT AN SCHLAF!"

Die zwei Schwedinnen von Icona Pop sind eigentlich zu nett für die Weltherrschaft. Ihr Elektropop sorgt in London, Paris und New York trotzdem für durchtanzte Nächte.

Interview: Katharina Behrendsen

uMag: Caroline, Aino, ihr gingt zwar auf dasselbe Musikgymnasium in Stockholm, richtig kennengelernt habt ihr euch aber erst 2009, oder?
Caroline Hjelt: Stimmt, ich kannte Aino zwar vom Sehen, aber wir hatten zu Schulzeiten nichts miteinander zu tun.
Aino Jawo: Wir haben uns kennengelernt, als eine Freundin mich bequatscht hatte, mit auf diese wirklich tolle Party zu kommen, nachdem ich zwei Wochen lang - depressiv vor Liebeskummer - nur im Bett rumgelegen hatte. Es war Carolines Party.
Hjelt: Und ich war eigentlich genau so am Boden wie Aino zu dem Zeitpunkt. Ich war frustriert, weil es mit dem Musikmachen alles nicht so richtig lief, und das habe ich mit Feiern und dem Schmeißen von Partys kompensiert.
Jawo: Guten Partys!
Hjelt: Ja, guten Partys, aber eigentlich ging's mir trotzdem dreckig. Als ich Aino getroffen habe, war es für uns beide ein Lichtblick. Wir haben sofort gemerkt, dass wir uns auf eine ganz besondere Art verstehen. Also hat Aino mich am nächsten Tag angerufen, ist mit ihrem Computer und einer Flasche Wein zu mir rübergekommen und wir haben unseren ersten gemeinsamen Song geschrieben.

uMag: Und zwei Tage später habt ihr euren ersten Gig gebucht. Seid ihr ein bisschen verrückt?
Hjelt: Ja, wir bringen uns häufiger mal in solche Situationen - weil wir die Herausforderung lieben. Wenn sich uns eine Chance bietet und wir das Gefühl haben, wenn wir alles geben, können wir das irgendwie hinkriegen, sagen wir ja. Und dann stehlen wir uns die Zeit irgendwo oder schlafen einfach weniger.
Jawo: (lacht) Ja, wir glauben nicht an Schlaf!

uMag: Oder habt ihr einfach bloß ein super Zeitmanagement?
Hjelt: Nein, es ist schon eher leichter Wahnsinn. Schon alleine, es 24 Stunden am Tag - jeden Tag! - miteinander auszuhalten.
Jawo: Ja, es ist verrückt, und wundervoll und ein einziges kreatives Chaos. Und wir sind froh, dass wir zu zweit sind. In Situationen, die mich sonst wahrscheinlich zum Heulen bringen würden - keine Kohle, verlorenes Gepäck, du stehst alleine am Flughafen - können wir gemeinsam drüber lachen. Und die guten Momente können wir feiern und unser Glück herausschreien, wie man das alleine auch nicht machen würde.

uMag: Ihr setzt sowieso auf Teamwork, oder? Ihr arbeitet gleich mit mehreren Produzenten zusammen und euer Bandname stammt von Carolines Mutter ...
Hjelt: Icona Pop ist tatsächlich einer von vielen Vorschlägen meiner Mutter. Sie hatte sich mit ihren italienischen Freundinnen zum Essen getroffen, über uns geredet, und die sagten: "Oh, Caroline und Aino werden also die nächsten Icona Pop" - was auf Italienisch soviel wie Popstars bedeutet. Und der Name hat uns gefallen und sich gleich gut angefühlt. Es ist mir auch ehrlich gesagt egal, wer die Idee hatte, ob ich, ob Aino, meine Mutter oder meinetwegen auch einfach irgendwer in der U-Bahn. Aber mal abgesehen von der Namensfindung war es für uns ehrlich gesagt kein leichter Prozess, andere Leute an Icona Pop mitwirken zu lassen. Wir haben lange gebraucht, bis wir anderen vertraut haben. Wir wollten nicht, dass uns irgendwer sagt, macht es so und so.

uMag: In eurer Zeit in London habt ihr angefangen, als DJs aufzutreten. Um euch in der Szene zu beweisen?
Jawo: Eigentlich haben wir schon in Stockholm damit angefangen. Caroline hat so viele Partys gemacht, dass die Nachbarn angefangen haben, sich zu beschweren. Also habe wir das ganze irgendwann in einen Club verlegt. Am Anfang hatten wir keine Ahnung vom Auflegen. Wir haben halt die Songs gewechselt.
Hjelt: Aber mit der Zeit ist es eine Leidenschaft geworden. Wir haben uns eigenes Equipment gekauft, zuhause geübt, sind nach Paris gefahren zum Auflegen. Nach und nach ist es für uns genau so ein Ausdrucksmittel geworden wie zu singen oder ein Instrument zu spielen.

uMag: Wie kam die Verbindung ausgerechnet nach Paris zustande?
Hjelt: Eins der ersten einschneidenden Erlebnisse mit Icona Pop war, dass uns das Label Kitsuné kontaktiert hat und unseren Song "Manners" auf einer seiner Compilations wollte. Da war der Track gerade mal 2 000 mal angehört worden -und das hauptsächlich von unseren Freunden und Müttern.

uMag: Findet ihr, Elektro ist ein schwierigeres Genre als andere, um sich als Frau zu behaupten? Es geht dort doch ziemlich männerdomiert zu.
Jawo: Ich finde, es geht in der Musik generell ziemlich männerdominiert zu. Die Leute sind manchmal geschockt, dass Icona Pop nur wir beide sind - bisher allerdings immer im positiven Sinne.
Hjelt: Als Frau musst du schon härter darum kämpfen, gesehen zu werden, besonders als DJ. Die Szene ist schon sehr männerlastig. Aber zum Glück ändert sich da gerade auch einiges.

uMag: Demnächst soll euer Debütalbum in eurer Heimat Schweden erscheinen. Wie wird es heißen?
Hjelt: Hm, wir haben noch zu viele Namen im Kopf rumschwirren und sind die Sorte Mensch, die bis zum letzten Drücker wartet, um sich zu entscheiden. Dann wissen wir aber meist instinktiv, was richtig ist.

uMag: Das Album soll in etwa drei Wochen erscheinen. Und das ist noch nicht der letzte Drücker?
Hjelt: Nein. Also, ich meine, viele Leute denken, es ist höchste Zeit. Aber wir versuchen, die Entscheidung noch so lange wie möglich vor uns herzuschieben.

Checkbrief

NAME Icona Pop
BANDMITGLIEDER Aino Jawo (26), Caroline Hjelt (25)
GENRE: Elektropop, Indiedance
KOMMEN AUS Stockholm
KENNEN SICH seit 2009
BEZEICHNEN SICH SELBST als „Nineties Bitches“
LEBEN nach einer Zeit in London seit kurzem in New York – „aber eigentlich aus dem Koffer“
ERSTER HIT „Manners“
GRÖSSTER HIT „I love it“
DEBÜTALBUM soll Ende September in Schweden erscheinen
www.iconapop.com