Foto Rimini Protokoll - FAMILIENTREFFEN
Abb.: Rimini Protokoll/Hebbel am Ufer
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FAMILIENTREFFEN

Die Theatergruppe Rimini Protokoll veranstaltet gemeinsam mit dem Berliner HAU ab dem 6. 5. einen "Hausbesuch Europa": 15 Menschen treffen sich in Wohnzimmern interessierter Berliner und stellen so das "europäische Haus" dar. Wir haben ein paar Erwartungen an dieses Familientreffen.

Von Falk Schreiber

Der Italiener, der Spanier und der Kroate bringen das mit Abstand leckerste Essen mit.
Die Französin ist etwas in die Jahre gekommen, und, ja, ihre Egozentrik ist anstrengend. Aber, Gott, sieht sie gut aus!
Der Brite tut den ganzen Abend so als ob er nicht dazugehören würde. Er ist gemeinsam mit einem Iren gekommen, der ist im Vergleich recht umgänglich.
Die Luxemburgerin protzt mit ihrem Reichtum. Alle anderen sind neidisch.
Mit dem Belgier ist es zunächst ganz lustig. Aber dann bekommt er einen schizophrenen Anfall und spaltet sich in einen Flamen und einen Wallonen auf.
Die Dänin und der Holländer sind beleidigt, weil alle sie für langweilig halten und kiffen gemeinsam auf dem Balkon.
Die Polin nervt, weil sie überall rumerzählt, wie toll sie sei, und überhaupt, Wirtschaftswachstum, Katholizismus, tolle Sache.
Der Tscheche und die Slowakin wurden nebeneinander gesetzt, ein Affront! Jetzt sind sie schlecht gelaunt, lassen sich aber nichts anmerken. Genau das gleiche Problem mit der Österreicherin und dem Deutschen.
Alle sind überrascht, dass auch eine Bulgarin und eine Rumänin eingeladen sind.
Der Grieche gilt als schwarzes Schaf der Familie, entpuppt sich aber schnell als ziemlich cooler Typ, der später am Abend mit einer Schwedin abzieht. Die Zypriotin hatte sich Hoffnungen gemacht und investiert ihr restliches Geld in Frust-Ouzo.
Die Portugiesin ist melancholisch und weint still in ihren Rotwein.
Und an den Malteser hat wieder niemand gedacht.