Foto Boris Pofalla - DIE FALSCHEN ORTE
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DIE FALSCHEN ORTE

Boris Pofalla hat einen sehr sensiblen Debütroman über die Berliner Partyszene geschrieben. Doch aufregende Grenzerfahrungen macht der Kulturjournalist ganz woanders.

Interview: Carsten Schrader

Boris, brauchte es wirklich noch einen Berlin-Roman über zwei beste Freunde, die ihr Studium abbrechen, ständig auf Partys gehen, Drogen einwerfen und sich an die vielen belanglosen Gespräche, die sie in den letzten Wochen geführt haben, kaum noch erinnern können?
Boris Pofalla: Ich finde nicht, dass das Leben meiner Protagonisten und das Ausgehen an sich nichtig ist. Man kann darüber banal schreiben - aber das kann man auch über den Mauerfall oder den Holocaust. Das Sich-selbst-Verlieren finde ich per se nicht oberflächlich, sondern eher Leute, die gar keine fragenden oder zögernden Bewegungen in ihrem Leben zulassen.

Beachtlich finde ich die unaufgeregte, sehr beiläufige Sprache, die ja eher untypisch ist, wenn es um die Berghain-Szene geht.
Pofalla: Wobei man dazu allerdings aber auch sagen muss, dass die Handlung des Romans zu einem Zeitpunkt einsetzt, an dem die Party eigentlich schon vorbei ist. Es wird nicht mehr das junge und total unbeschwerte Leben abgebildet, denn einer der beiden Freunde ist verschwunden. Der Erzähler macht erst mal in dieser Welt weiter, aber eigentlich ist er nicht mehr so richtig dabei. Deswegen ist es auch kein euphorischer Clubroman. Das blitzt zwischendurch mal auf, ist aber nicht die Erzählgegenwart.

Sehr gelungen finde ich, wie du mit dem Film "Zabriskie Point" von Antonioni die Party-Szene spiegelst. Es gibt ja viele Parallelen zwischen dem Film aus den 70ern und der Berliner Feiergegenwart: Deine Protagonisten wollen sich verweigern und Kritik an der Konsumkultur üben, und gerade durch dieses Bestreben gehen sie letztlich in dieser unkritischen Masse der angepassten Konsumenten unter.
Pofalla: Das ist genau der Widerspruch: Man geht ins Berghain, weil man sich in einem angeblich entriegelten Raum ausleben will, man nimmt bewusstseinserweiternde Drogen - und am Ende macht man doch nichts anderes als sich dem absoluten Konsum hinzugeben. Da kann ich auch ins Alexa gehen, das ist nichts anderes. Ich kann das Bedürfnis zwar nachvollziehen und verurteile es auch nicht, aber für mich selbst ist es nicht interessant, weil es da zu wenig Unbekanntes gibt. Das suche ich dann lieber in der Kunst, oder ich gehe im Park joggen. Wenn man durch die Stadt läuft, entdeckt man spannendere Sachen als im Berghain.