Die Storys, die Plattenfirmen erzählen, wenn sie einen neuen Künstler an den Mann bringen wollen, sind oft dieselben. Nicht bei Julia Marcell. Das mag dran liegen, dass die polnische Songwriterin den Weg ohne Label gegangen ist - und zwar nicht auf dem so märchenhaft wie unecht klingenden MySpace-Weg, sondern über das Portal Sellaband. Dort sammelte sie in nur drei Monaten Fans, die Marcell insgesamt 50 000 Dollar zur Verfügung stellten, damit sie ihr Debüt produzieren konnte. Und was für eins: Pianopop zwischen Melancholie und Jahrmarktklimpern, theatralisch, dramatisch, aber nie abgehoben, zerbrechlich und stark zugleich, ein bisschen Kate Nash, ein bisschen Amanda Palmer - und ganz viel Julia Marcell. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis die Plattenfirmen ihre Finger nach dieser Musikerin ausstreckten. Gut, dass das Album schon fertig war, denn so blieb ihr Debüt unverfälscht.

08.06.2009








