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Donnerstag 02 | 09 | 2010





Foto Clueso und Thomas D - ERFAHRUNG IST NICHTS
music | Storys | Clueso und Thomas D

ERFAHRUNG IST NICHTS

Jungstar Clueso möchte sich gern was beim HipHop-Veteranen Thomas D abschauen. Doch der will auf keinen Fall ein Vorbild sein.

Interview: Katharina Behrendsen
Fotos: Dietmar Theis


U_mag: Thomas, Clueso, ihr seid schon zusammen getourt, das Label, auf dem Cluesos Alben erscheinen, wurde von den Fantastischen Vier gegründet, ihr versteht euch super ... seid ihr eigentlich auch privat befreundet?
Clueso: Freundschaft kann man nicht sagen - weil wir nicht miteinander abhängen.
Thomas D: Wir sind beide zu beschäftigt. Ich habe auch nicht so ein Privatleben, dass ich Leute regelmäßig anrufe und mich mit denen treffe. Ich glaube, es ist eher eine Seelenverwandtschaft als eine Freundschaft im klassischen Sinne.

U_mag: Euch trennen elf Jahre. Ist es auch schwerer, eine Freundschaft einzugehen, wenn der Altersunterschied so groß ist?
Clueso: Gar nicht. Wir sind beide Berufsjugendliche.
Thomas D: Ich habe ein paar Jahre mehr Showbusinesserfahrung. Fünf oder sechs, würde ich mal tippen.
Clueso: Nur sechs? (lacht) Gefühlte 20! Das ist aber auch der einzige Unterschied, der sich bemerkbar macht, dass man denkt: Hey, die kennt man doch schon von früher.

U_mag: Warst du denn früher Fanta-4-Fan?
Clueso: Bei "Lauschgift" hat's mich erwischt. "Sie ist weg" war ein Ohrwurm - aber einer, wo man sich denkt: Scheiße, so ein Text! So ein Teil schreibt man nur ein Mal, das drückt schon alles aus.

U_mag: Da warst du noch Teenager. Das prägt. Ist es seltsam, jetzt plötzlich ein Kollege zu sein? Hattest du Schiss beim ersten Treffen?
Clueso: Nee, kommt immer drauf an, wie man die Leute trifft und wie sie drauf sind. Zuerst habe ich Michi kennen gelernt. Bei Smudo hatte ich immer ein bisschen Herzklopfen, einfach weil man nicht wusste, wie man ihn nehmen soll. Aber ich habe gehört, dass die cool finden, was ich mache. Natürlich ist mir voll bewusst gewesen, dass das die Fantas sind und ich aus Erfurt komme - aber die kommen halt aus Stuttgart.

U_mag: Dieser Punkt, wo aus einem Arbeitsverhältnis Freundschaft werden könnte, man sich aber nicht richtig traut, was zu unternehmen, weil man Angst hat, der andere könnte genervt sein oder denken, man will sich zum eigenen Vorteil ranschmeißen - gab es den bei euch auch?
Clueso: Teilweise, aber es war jetzt nicht der Gedanke, ich will mich ranschmeißen. Die Situation muss passen. Das herauszupressen, das kenn ich ja selber und habe es auch schon erfahren. Als Künstler, das klingt jetzt bescheuert eingebildet, aber man ist so eine Art Lichtgestalt, wo immer mal Leute kommen und an einem reißen. Auch wenn man unbekannt ist. Das fand ich selber immer doof, und dann macht man das auch nicht.
Thomas D: Ich glaube, als sensibler Künstler weiß man, wie andere Künstler ticken. Du willst hauptsächlich deine Ruhe haben, weil du ständig umlagert wirst von Leuten, die dir einen reinsingen und dir was erzählen. Also, ich will nicht auch noch derjenige sein, der dem Clueso erzählt, wie er seine Platte besser macht oder was er bei der nächsten machen soll.
Clueso: Man trifft einfach Leute, die eine ähnliche Macke haben und weiß, wie die ticken. Und wenn man das nicht versteht, gehört man da auch irgendwie nicht hin. Wir hängen jetzt nicht aufeinander, aber ich habe schon seit Ewigkeiten versprochen, dass ich auf den Mars komme, die Kommune, in der Thomas lebt. Das will ich auch mal machen, wenn ich meinen Kram ein bisschen erledigt habe.

U_mag: Clueso, hast du mal gezweifelt, ob die Einladung ernst gemeint war? Im richtigen Leben fragt man sich ja schon oft, ob jemand nur etwas gesagt hat, um nett zu sein und weil das Nettsein ja auch irgendwie erwartet wird.
Thomas D: Wir leben nicht im richtigen Leben. (lacht) Ist echt so. Du bist ständig umgeben von Jasagern oder Gutfindern. Das Tolle ist: Weil wir unsere Musik selber machen, unsere Texte selber schreiben, meinen die zum Teil auch uns, finden uns zum Teil sogar zu Recht gut. Du fühlst dich geschmeichelt, weißt aber auch, dass du nicht anders bist als jeder andere. Du bist ja nichts Besseres. Also übst du dich in Zurückhaltung und Demut, aber nimmst die Komplimente auch sehr gerne an - doch am Ende gehe ich nicht heim und denke, der hat das jetzt so gemeint und der hat das anders gemeint. Ich nehm's, wie es in dem Augenblick kommt.
Clueso: Oder so ein "Ich treff dich nächste Woche" ... Wenn man Energie mitbringt, weiß man, dass man Leute, die in Bewegung sind, sowieso immer wieder trifft. Da braucht man sich gar nicht zu verabreden.


>> Weiterlesen im U_mag, dem Magazin der Popkultur und Gegenwart, in der Ausgabe 07/08 auf Seite 46




07.07.2008






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