Die Trilogie ist komplett, mit "Der kleine Bruder" erscheint der missing link zwischen "Neue Vahr Süd" und "Herr Lehmann". Frank Lehmann lässt Elternhaus, Kaserne und sein Bremer WG-Zimmer hinter sich, um in Westberlin seinen Bruder und einen Neuanfang zu finden. Autor Sven Regener gibt seinem Helden für beides nur knapp 48 Stunden und gut 300 Seiten. Erstaunlich, wie schnell sich der muffelige Lehmann in einem ihm komplett fremden Paralleluniversum akklimatisiert, in dem Regener alles auffährt, wofür das Kreuberg von 1980 berüchtigt ist: Punks, Künstler, Hausbesetzer und Dosenbier. Allerdings ist es in seiner Erwartbarkeit schon fast langweilig, wie souverän er auch ein drittes Mal groteske Situationen baut, brillante Dialoge entwirft und mit lapidarem Witz unterhält. Natürlich lässt sich auch die Gegenwart in dem Roman spiegeln. Wer allerdings den heutigen Karrierismus bejammern und mit Hilfe von "Der kleine Bruder" nicht mehr vorhandenen Freiräumen nachtrauern will, dem stopft Regener das Maul. Etwa wenn er eine Hausbesetzung als gefaked enttarnt, weil der vermeintliche Besetzer und eigentliche Besitzer PR für sein Kunstprojekt will.
25.08.2008








