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Donnerstag 09 | 09 | 2010





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INVICTUS - UNBEZWUNGEN

Einst einte Nelson Mandela durch eine sportliche Idee das zerrissene Südafrika. Clint Eastwood verfilmte diese kaum bekannte Episode der Post-Apartheidzeit in einem mitreißenden Drama.

Von Michael C. Starke


Es ist das Sinnbild eines tief gespaltenen, vor der Zerreißprobe stehenden Landes: Nelson Mandela (Morgan Freeman) fährt 1994 mit seiner Wagenkolonne zu seiner Vereidigung als Präsident eine Straße entlang. Die ärmlich gekleideten schwarzen Kinder, die eben noch Fußball gespielt haben, rennen jubelnd auf ihn zu, während die weißen Kids beim Rugbytraining im feinen Dress auf der anderen Straßenseite reglos verharren. Ihr Coach befeuert ihre Ängste vor der ungewissen Zukunft noch: "Dies ist der Tag, an dem unser Land vor die Hunde ging!", sagt er. Auf dem Papier mag die Apartheid beendet sein - in den Köpfen und Herzen dauert sie an.
Nachdem sich der Schauspieler Clint Eastwood nach seinem letzten Film "Gran Torino" selbst in Rente geschickt hat, widmet er sich als Regisseur nun erneut dem Thema Rassismus und inszeniert ein authentisches Kapitel südafrikanischer Geschichte. Dabei springen Parallelen zur deutschen Vergangenheit ins Auge: Ähnlich wie die Deutschen 1954 ihr unverhofftes Fußballwunder von Bern erlebten, gewann 1995 der krasse Außenseiter bei der Rugby-WM im eigenen Land sensationell den Titel. Während der Sieg den Deutschen ihr Selbstwertgefühl zurückgab, markierte der Triumph für Südafrika gewissermaßen die Geburtsstunde einer Nation. Mandela wollte, dass der sportliche Triumph ein tief gespaltenes Volk über die Rassengrenzen hinweg im Nationalstolz zusammenführt. "Invictus" beleuchtet die Rolle des Staatspräsidenten bei diesem Erfolg, der mit einer Einladung des Rugbykapitäns Francois Pienaar (Matt Damon) zum Tee beginnt. Mandelas Auftrag: Werden Sie Weltmeister! Irgendwie.
Obwohl der Film wirtschaftliche und soziale Probleme des Landes ausklammert, ist Eastwoods 30. Regiearbeit kein reines Sportdrama. Das Integrationspotential des Massensportes liefert lediglich die Blaupause für das, was Mandela erreichen wollte: die (Haut-)Farbenblindheit der südafrikanischen Bürger, oder anders: ein Team, eine Nation. Die wichtigen Szenen spielen sich hier jenseits des Spielfeldes ab. Wenn das Rugbyteam die winzige Zelle besucht, in der Mandela fast zwanzig Jahre einsaß, misst Pienaar die Breite des Raumes aus, indem er seine Arme hebt - und links und rechts an die Wände stößt.
Eastwood konzeptioneller Pars pro Toto bricht aus der historischen Figur Mandela ein Stück Zeitgeschichte heraus, und diese kurze Episode wird den von Mandela vorgelebten Idealen der Versöhnung und des Vereinens gerechter als eine ausführliche Abhandlung seiner gesamten Biografie. Dabei kommt der Film nicht ohne Verdichtung und Romantisierung aus, doch Mandela - das sagt der Eastwood deutlich - hat ein Fundament gelegt. Er war und ist ein Vorbild, das inspiriert und beweist: Friedliche Koexistenz ist eine Vision, keine Utopie. Angesichts der aktuellen globalen Krisenherde eine wichtige Botschaft im 21. Jahrhundert.



"Invictus - Unbezwungen" startet am 18. Februar. Alle Spielzeiten in den deutschen Kinos findet ihr auf meinKinoprogramm.de




15.02.2010






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