uMag: Kristof, in deinem neuen Roman "Das war ich nicht" treffen drei krisengeplagte Menschen aufeinander. Zumindest zwei von ihnen sind zwischen 30 und 40. Das ist mittlerweile schon die Lebensphase, in der sich alles entscheidet, oder?
Kristof Magnusson: Bis 30 kann man eigentlich immer so sein, wie man gerade sein will, weil man sich über die Konsequenzen noch keine großen Gedanken machen muss. Meine Romanfigur sagt in dem Buch ja auch, man könne so viel trinken, wie man will, und es wirke immer sympathisch und verplant. Das ist dann eben der Lebensstil zur verwuschelten Frisur. Letztendlich ist es auch eine Stilüberlegung, wenn man erkennt, dass es nicht mehr so gut aussieht, wenn man einfach so weiter macht. Macht man dann ja meistens trotzdem - aber man macht sich zumindest mehr Gedanken darüber.
uMag: Aber warum hast du ausgerechnet einen Banker zu einem deiner Romanhelden gemacht?
Magnusson: Die sind in der Literatur echt unterrepräsentiert. Ich habe viel recherchiert und wollte möglichst unvoreingenommen sein. Es soll ja kein Finanzkrisenbuch sein, sondern eine Geschichte, in der sich drei Menschen überlegen, wo sie eigentlich in ihrem Leben stehen und in welche Sackgasse sie geraten sind. Die Recherche war auch längst abgeschlossen, als die Finanzkrise ausgebrochen ist. Als es dann in den Nachrichten immer hieß, die Banken hätten sich alle untereinander abgesichert und sich so gegenseitig in den Abgrund gerissen, war ich sehr froh über mein Handlungskonzept. Ich fand es ganz schön, mit meinem Liebesdreieck eine Entsprechung gefunden zu haben. Eigentlich machen Banken dasselbe wie verliebte Menschen. Sie sichern sich irgendwie ab, vertrauen sich gegenseitig, und irgendwann merken sie dann: Scheiße!
uMag: Einerseits machen wir uns heute unendlich viele Gedanken, wie man leben sollte. Andererseits wird in Statistiken immer behauptet, Menschen um die 30 reagierten vor allem mit Sicherheitsstreben und Karrierismus auf die sogenannte Krisensituation.
Magnusson: Ich mag dieses Denken in Generationen generell nicht. Schon bei der Generation Golf hatte ich starke Zweifel, und auch das Gerede von der Generation Praktikum fand ich ganz fürchterlich. Man beobachtet an sich selber gewisse Dinge und behauptet dann, man sei eine ganze Generation, damit man an den eigenen Problemen nichts verändern muss und Verantwortung abgeben kann.
uMag: Dann schützen wir Arbeitslosigkeit und Beziehungsunfähigkeit nur vor, wenn wir mit unseren Lebensentwürfen hadern?
Magnusson: Schon bei Tschechow gab es eine zentrale Frage: Wie soll man leben? Sobald man gewisse materielle Grundbedürfnisse gesichert hat, ist das eine Frage, die sich automatisch jede Generation stellt. Man gewinnt auch nichts damit, wenn man sagt, was heute besonders schlimm ist. Wir kommen viel weiter, wenn wir davon ausgehen, dass diese Probleme immer da sind und wir uns dann fragen, wie wir heute damit umgehen. Eigentlich sind das ja auch Luxusprobleme. Es ist ja nicht so, dass wir von der Arbeitslosigkeit so verunsichert sind, dass wir uns andauernd Gedanken machen. Es ist eher so, dass wir wissen, eine gewisse Sicherheit ist noch da. Gerade wenn man ein Studium hat, wird man schon immer noch von irgendwas leben können. Mit meinem Roman möchte ich feiern, dass wir die Möglichkeit haben, uns diese Gedanken zu machen.
Name: Kristof Magnusson
Alter: 33
Beruf: Theater- und Romanautor, Übersetzer
Nationalität: Deutsch-Isländer
Geburtsort: Hamburg
Wohnort: Berlin
Ausbildung: Kirchenmusiker (evangelische Landeskirche Nordelbien)
Studium: Literaturinstitut Leipzig und Uni Reykjavik
Aktuelles Buch: "Das war ich nicht"
uMag und der Kunstmann Verlag verlosen fünf Exemplare von "Das war ich nicht" von Kristof Magnusson. Einsendeschluss ist der 28. Februar 2010. Um teilzunehmen, einfach das Formular ausfüllen. Wir drücken die Daumen!
Zum Gewinnspiel >>
15.02.2010









