Benjamin von Stuckrad-Barre hat so ziemlich jede Peinlichkeit durch - und wir hängen mit drin. Da ist Leugnen zwecklos, und Entschuldigungen machen die Sache nur noch peinlicher: Wir alle haben damals sein "Soloalbum" nicht nur gelesen, sondern auch noch gut gefunden. Warum nicht einfach wieder bei Null anfangen? Immerhin erspart er uns einen autobiografischen Roman mit exhibitionistischen Drogenexzessen und veröffentlicht mit "Auch Deutsche unter den Opfern" (Kiwi) lieber wieder einen Sammelband voller Reportagen, Porträts, Monologe. Okay, wenn es um Leute wie Guido Westerwelle, Til Schweiger oder Sabine Christiansen geht, kann selbst Stuckrad-Barre unsere Fremdscham nicht noch mehr befeuern. Doch immer wieder gibt es Texte, in denen er seine kaum vorhandenen Zugriffsbeschränkungen für spannende Beobachtungen nutzt: Wenn er sich bei Udo Lindenberg im Hotel einmietet, wenn er Michael Naumann im Hamburger Wahlkampf begleitet, wenn er zur Google-Party geht. Stuckrad-Barres Humor ist weniger prollig und subtiler als früher, vor allem aber hat er es nicht mehr ständig nötig, seine Coolness zu beweisen. Wie sonst ist es bitteschön zu erklären, dass er sich als Freund von Helmut Dietl outet und den sogar noch das Vorwort schreiben lässt? Nur einen guten Vorsatz hält Stuckrad-Barre nicht durch: Nach dem fiesen Diss von Hartmut Englers Frau wollte er sich eigentlich nicht mehr auf leichte Opfer stürzen. Aber das ist auch egal, so lange es gegen Günter Grass geht: "Steht nimmermüdes Eingemische und Politgedröhne einem Schriftsteller wirklich gut? Ist die Beachtung gerechtfertigt, die jeder wie geistesschlicht auch immer formulierten Weltgeschehenskommentierung aus dem Hause Grass zuteil wird?"
17.3. Berlin Postbahnhof mit Christian Ulmen
18.3. Köln MSRheinEnergie mit Christian Ulmen
20.3. Leipzig Skala mit Jörg Thadeusz
22.02.2010









