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Dienstag 07 | 09 | 2010




Foto Midlake - "FRÜHER WAR ALLES BESSER."
Foto: Bil Zelman
music | Storys | Midlake

"FRÜHER WAR ALLES BESSER."

Das neue Midlake-Album klingt, als wäre es bereits in den 60ern erschienen. Doch Sänger Tim Smith hat auch gar kein Problem damit, wenn man ihn Realitätsflüchtling nennt.

Interview: Carsten Schrader


uMag: Tim, im Titelsong eures neuen Albums "The Courage of Others" bewundert ihr all diejenigen, die den Mut haben, das zu tun, was sie selbst tun möchten. Wird das für Musiker immer schwieriger?
Tim Smith: Ich glaube schon, dass die meisten Bands das tun können, was sie wollen. Die einzige Einschränkung, die es heute noch gibt, ist die Tatsache, dass es so unglaublich viele Bands gibt. Es ist schwer, einen eigenen Sound zu finden und dich unverwechselbar zu machen. Immerhin gibt es durch die sogenannte Krise der Musikindustrie kaum noch böse Plattenfirmen, die die Musiker zu Dingen zwingen, die angeblich Erfolg versprechen.

uMag: War es schwieriger, euren eigenen Weg weiter zu gehen, nachdem der Vorgänger "The Trials of Van Occupanther" so erfolgreich gewesen ist?
Smith: Wir haben neue Songs aufgenommen, waren aber sehr unglücklich damit, weil sie genau so klangen, wie man es nach "Van Occupanther" erwarten konnte. Letztlich haben wir sie nicht veröffentlicht und noch mal von vorn angefangen. Beim ersten Versuch haben wir uns zu sehr von den Erwartungen leiten lassen, statt darauf zu achten, dass es in erster Linie noch immer darauf ankommt, dass die Songs uns etwas bedeuten.

uMag: Nachdem sich eure Durchbruchplatte am 70er-Rock orientiert hat, wart ihr diesmal ganz und gar vom traditionellen britischen Folk inspiriert. Trotz des Wandels könnte man euch wieder den Vorwurf machen, eure Musik sei eskapistisch.
Smith: Meiner Meinung nach ist es eine gute Sache, wenn Musik Realitätsflucht anbietet. Unsere Alben schaffen eine eigene Welt, die in Opposition zur Gegenwart steht und einer ursprünglicheren Natur nachhängt. Du stellst die Nachrichten an und kannst nicht glauben, was die Menschen sich gegenseitig antun. Da bin ich doch froh, wenn ich die Anlage aufdrehen und gedanklich in die 60er flüchten kann. Auf der Textebene entkommt man sogar bis ins Mittelalter.

uMag: Dann betrachtest du die Realitätsflucht als einen Protest gegen aktuelle Probleme wie Kriege oder Finanzkrise?
Smith: Wer will, kann das so interpretieren. Aber ich bin kein politischer Mensch und bezeichne meine Kompositionen auch nicht als Protestsongs. Früher war alles besser: Konkreter will ich gar nicht werden.

Tourdaten

3. 2. Köln Luxor
4. 2. Hamburg Knust
9. 2. Berlin Lido




08.02.2010






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