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Foto Zoom: Mona Breede - ABGRÜNDE UND AGGRESSIONEN
> Zoom: Mona Breede

ABGRÜNDE UND AGGRESSIONEN

Mona Breede hält die Kamera auf Menschen, die an der Fußgängerampel stehen. Ergebnis: Alltagspoesie.

Text: Falk Schreiber

Zwei Menschengruppen stehen sich in gewissem Abstand gegenüber. Auf ein Zeichen hin setzen sie sich in Bewegung, treffen sich in der Mitte, bilden ein Knäuel, trennen sich wieder. Leere Fläche. Ein Tanz, eine Choreografie. Kunst.

Alles Lüge: Was wir sehen, ist eine Straßenkreuzung, eine Ampelschaltung, über den Asphalt hetzende Menschen. Ein alltägliches Motiv - und dennoch und gerade deswegen Kunst. Die Karlsruher Fotografin Mona Breede ist eine Meisterin in der Disziplin, künstlerische Momente in vollkommen unspektakulären Situationen zu entdecken, und dass sie ihre Serie "Choreographien" nennt, betont die Alltagspoesie ihrer Arbeiten nur noch deutlicher. Wobei eine Choreografie, wenn man den Begriff ernst nimmt, eben wirklich das Vermessen eines Raums mittels Bewegung ist - und nichts anderes zeigt die ehemalige Theaterfotografin Breede. "Nach dem Fotografieren von tänzerischen, durchtrainierten Körpern, die immer im Zusammenhang mit der Bühnensituation stehen und dort ganz eigene Themen verarbeiten, untersuche ich alltägliche Bewegungen von Menschen im öffentlichen Raum", beschreibt die 40-Jährige ihre Arbeit. "Ich beobachte, wie sich der Einzelne im Alltag bewegt, welchen Abstand Menschen zueinander einnehmen, welche Bewegungsrhythmen entstehen, wenn viele Personen einen Platz bevölkern oder eine Straße überqueren."




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Ein Unterschied: Eine Choreografie ist inszeniert, Breedes Fotos verzichten auf offensichtliche Manipulationen der Realität. "Meine Bilder zeigen einen Augenblick, eine Szene, ein Zusammentreffen, eine Konfrontation, die so oder so ähnlich gewesen sein könnten", sagt die Fotografin. Reine Dokumentation der Realität sind ihre Arbeiten aber ebenso wenig, immerhin beobachtet Breede ihr Setting über einen längeren Zeitraum, analysiert dort Lichtstimmungen und soziale Beziehungen - bis sie dann endlich die Aufnahme macht. Die Serie "Choreographien" steht damit irgendwo zwischen Inszenierung und Dokumentation und nähert sich so der Ästhetik des von Breede geschätzten Künstlers Jeff Wall an. Das überrascht auf den ersten Blick, weil Wall ein großer Erzähler ist, der seine Bilder aufwändig mit Schauspielern komponiert und nichts dem Zufall der Realität überlässt. Aber Breedes Interesse konzentriert sich grundsätzlich auf formale Stärken eines Bildes und nicht auf den Entstehungsprozess: "Wenn ich vor Jeff Walls Arbeiten stehe, ist es für mich spannend zu schauen, was zwischen den Personen passiert und welche menschlichen Abgründe und Aggressionen sichtbar werden. Dagegen finde ich es eher belanglos, wie er seine Schauspieler gesucht hat und wie oft er eine Szene proben musste."

Wie die Bilder entstehen, ist zweitrangig, der Blick wird so verschoben auf die formale Komposition der Fotografien. Und die ist gerade bei Breede wichtiger Teil des Arbeitsprozesses, geprägt durch die Möglichkeiten digitaler Nachbearbeitung: "Zum einen betone ich die in dem Bild angelegten Farbflächen und Hintergrundelemente, indem ich die Farbigkeiten anpasse, Lichtverteilung und Modulation optimiere. Unter Umständen füge ich auch mehrere Lichtstimmungen zusammen, die an ein und demselben Ort zu unterschiedlichen Tageszeiten auftraten", beschreibt Breede die Arbeit am Computer. "Die Komposition des Bildes ist inzwischen der anspruchsvollste Teil der Arbeit; ein Arrangement zu kreieren, das zum Abschluss des Bildes wieder so aussieht, als könne es so gewesen sein - und doch an Spannung und formaler Dichte gewonnen hat." Wodurch Mona Breedes "Choreographien" einen hochinteressanten Platz zwischen allen Stühlen einnehmen: nicht einmal annähernd als Darstellung der Realität. Sondern als radikal künstlerische Darstellung eines Zustandes, der die Realität nachstellt.

Website von Mona Breede:
www.monabreede.de


Ausstellungstipp

"DAY IN, DAY OUT" | 7. 11.-10. 1. | Galerie Dittmar | Berlin

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