KIESEL STATT KLUNKER
Schmuck kann jeder? Na, Kickerfrauen schon mal nicht. Designerin Saskia Diez über Können, Karriere und komische Blicke.
Interview: Ellen Stickel
uMag: Saskia, wie wieso studiert man nach einer Goldschmiedeausbildung noch Industriedesign, nur um danach wieder Schmuck zu entwerfen?
Saski Diez: Das war nicht geplant. Die Ausbildung war für mich eine sehr schöne Zeit, das ganze Handwerkliche hat mir gelegen. Doch ich hatte nicht das Gefühl, dass ich nach der Ausbildung schon genau genug wusste, was ich möchte, um mein eigenes Ding zu machen. Angestellt zu arbeiten war aber auch nicht meins. Die Schmuckwelt war ein abgeschlossener Kosmos mit sehr eigenen Regeln, das war mir zu eng und zu klein. Das Studium war dann auch toll, aber dieses Wissen wo man hin will, das fehlte immer noch. Dann habe ich an einem Wettbewerb teilgenommen und Sportgewichte in Form von Armbändern entwickelt. Für meine Jahresausstellung in der Schule habe ich sie in Bronze nachgießen lassen, wodurch sie dann viel schmuckiger aussahen. Das war das erste meiner Projekte, bei dem ich das Gefühl hatte, ich habe etwas auf den Punkt getroffen. Zeitgleich hat mein Mann Stefan eine Installation auf der Möbelmesse in Köln gemacht und hat die Armbänder als Deko mit dazu gelegt. Einkäufer von zwei tollen Läden haben sie gesehen und wollten sie haben, und so kam eines zum anderen. Ich brauchte einen Produzenten, ein Label, einen Namen, eine Verpackung. Ich habe dann gemerkt, dass bei mir bei dem Thema etwas ins Fließen kommt, das fühlte sich richtig an.
uMag: Wie lief deine Anfangszeit im Business?
Diez: Zu Beginn lief es sehr gut: Ich hatte meine ersten Armbänder produziert, und die Kommunikation über die Entfernung mit E-Mails und Bildern lief auch sehr einfach und wunderbar. Dann habe ich mir aber in München bei einem Laden gedacht: Da würden deine Sachen reinpassen. Ich bin also direkt samt Kinderwagen rein und habe gefragt, ob ich meine Stücke zeigen dürfte. Da kam dann erst mal nur ein sehr skeptischer Blick. Glücklicherweise hatte ich einige Armreife an, und so konnte ich das Gespräch dann noch rumreißen. Aber bis ich mir einen Namen machen konnte, hat es ziemlich lange gedauert. Ich bin viel mit meinem Mann in der Designszene unterwegs, und da war ich sehr lange immer nur seine Frau. Das ändert sich eigentlich erst seit etwa zwei Jahren.
uMag: Haben die Papiertaschen, die du gemeinsam mit deinem als Designer ziemlich bekannten Mann entworfenen hast, bei diesem Wandel geholfen?
Diez: Das bestimmt auch, die Resonanz aus der Presse war sehr groß. Über Schmuck kann man einfach irre schlecht schreiben - und man kann ihn oft auch ganz schlecht abbilden. Außerdem haben in den letzten Jahren ja auch viele abgelegte Fußballerfrauen auf einmal Schmuck entworfen, und die Sachen sind im Normalfall irre schlecht. Schmuck hat einen schwierigen Stand, es ist nicht leicht, da ernst genommen zu werden.
uMag: Was ist dein erstes Fazit, wenn du auf die vergangenen Jahre blickst?
Diez: Ich hätte nicht gedacht, dass mir so viel einfällt und mich das Thema Schmuck so interessiert. Ich bin aber auch ein ganz schlechter Planer. Ich habe kein festes Bild im Kopf, wie mein Leben aussehen soll. Ich habe immer ein ganz gutes Gefühl, welcher Weg jetzt gerade richtig ist, aber vor ein paar Jahren hätte ich auf keinen Fall gesagt: Ich werde mein eigenes Label haben. Mittlerweile stehe ich ganz anders hinter meinen Sachen. Früher habe ich mich immer gerne versteckt, habe selten wo angerufen sondern lieber Mails geschrieben. Zu dem stehen, was man tut, wenn es etwas Gutes ist, das fällt glaube ich vielen Frauen schwer. Ich glaube auch, dass ich großes Glück hatte, dass ich meine erste Tochter schon hatte, bevor es mit meinem Label wirklich los ging. So war die Frage, ob zuerst Familie oder Job dran ist, schon abgehandelt.
uMag: Welche Materialien bevorzugst du?
Diez: Es müssen echte Materialien sein. Bei der Isarkiesel-Serie zum Beispiel wollte ich auch wirklich mit der Schönheit dieser Kieselsteine arbeiten. Man hätte die natürlich auch einfärben können, damit sie wie Türkise oder Onyx aussehen. Aber so was ist es nicht für mich. Ich möchte nicht so tun als ob, mir ist Echtheit wichtig.
Checkbrief
NAME Saskia Diez
IM JAHR 2007 startete sie ihr Schmucklabel im Münchner Glockenbachviertel
LEBT mit dem bekannten Industriedesigner Stefan Diez zusammen
HAT eine Goldschmiedeausbildung gemacht, fand es aber unschön, immer nur an Schmuckstücken zu arbeiten, die sie sich nie hätte leisten können
BEKAM für ihre Taschenserie „Papier“ den Designpreis Deutschland 2010
www.saskia-diez.de




