SCHAULUST II
Was haben eine Brücke in Belgrad, ein erfolgloser Ringercoach und ein knurriger Tiefkühlfischverkäufer gemeinsam? Antwort: Sie alle sind den Gang ins Kino wert.
Texte: Volker Sievert
BELGRAD RADIO TAXI
Start: 21. 7.
Erzählt davon, was es für Folgen haben kann, wenn eine Frau von einer Belgrader Brücke springt und in einem Taxi ein Baby zurücklässt: zahlreiche absurde und tragische Verwicklungen der zufällig Beteiligten (u. a. Stipe Erceg, Anica Dobra).
Überzeugt mit einem realistischen Porträt der zerrissenen und vom Bürgerkrieg immer noch traumatisierten serbischen Gesellschaft und mit seinen geschickt miteinander verwobenen Episoden.
Macht, dass man mal jemandem auf einer Brücke ein Bein stellen möchte, um zu sehen, was sich daraus ergibt. Und macht dank des grandiosen Soundtracks vor allem Lust auf Balkanpop!
WIN WIN
Start: 21. 7.
Erzählt, wie der Familienvater, erfolglose Jurist und noch erfolglosere Trainer einer Ringernachwuchsmannschaft Mike (Paul Giamatti) den Teenie-Neffen eines Klienten bei sich aufnimmt, weil das gut bezahlt ist. Doch der Schutzbefohlene (Alex Shaffer) kann auch noch spektakulär gut ringen - und Mike und sein Co-Trainer fühlen sich zur Abwechslung mal als Gewinner.
Überzeugt mit seiner Menschlichkeit. Der hierzulande kaum bekannte amerikanische Schauspieler und Independent-Regisseur Thomas McCarthy hat schon mit "Station Agent" und "Ein Sommer in New York - The Visitor" zwei zutiefst menschliche Tragikomödien gedreht, angefühlt mit Figuren, die mitfühlend, liebevoll, fehlbar und auch etwas peinlich sind. Ein Kino der lakonischen Lebensbejahung, das einem ein bisschen den Schrecken vor dem eigenen Scheitern nimmt.
Macht Lust aufs Ringen. Von welchem Film kann man das schon behaupten?
ARSCHKALT
Start: 21. 7.
Erzählt davon, was passiert, wenn man sich als menschlicher Knurrhahn auf andere Menschen einlässt. Herbert Knaup muss als wohl erster Tiefkühlfischverkäufer in der Hauptrolle eines deutschen Films ein notorisches Plappermaul (Johannes Allmayer) ausbilden, wenn er seinen Job behalten will. Also tuckert das ungleiche Team durch die Provinz, um gefrorene Krabben an den Mann zu bringen.
Überzeugt mit lustigen Dialogen und einem wunderbar mürrischen Knaup, der zahlreiche geistreiche Überlegungen zu Fisch, Frost und Philosophie ablässt.
Macht in der ersten Hälfte mehr Spaß als in der versöhnlich-harmlosen zweiten.





