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Am 24. November gibt es das neue uMag am Kiosk.
Foto: Robert Winter
> Flo Mega

"ICH WOLLTE NICHT FUNKTIONIEREN!"

Spätzünder zu sein findet Flo Mega in Ordnung, auch Ziellosigkeit geht klar für den Souler. Doch stimmt es wirklich, dass Kreativität auf lange Sicht mehr nützt als Leistung?

Interview: Katharina Behrendsen

uMag: Flo, du machst schon ewig Musik, hast aber nie ein Album veröffentlicht. Warum eigentlich nicht?
Flo Mega: Ich war auch ohne Album immer so auf einem Höhenflug mit meinem HipHop früher, dass ich das nicht brauchte, um glücklich zu sein. Es ging mir auch immer mehr um den Moment und ums Experimentieren. Also entweder im stillen Kämmerlein, so richtig kellerkindmäßig - oder eben live voll einen losmachen. Aber dieses konventionelle und verantwortungsbewusste An-einem-Album-Arbeiten und sich vermarkten: Das war mir egal.

uMag: Und wieso ist es das jetzt nicht mehr?
Mega: Irgendwann im Leben denkst du: Was hast du denn jetzt, und was kannst du machen? Und dann machst du halt, was du am besten kannst. Irgendwann willst du ja auch ein bisschen Ordnung haben und gefordert werden. Und wenn schon, dann möchte ich die Physik sein und nicht eine Kraft darin.

uMag: Planst du deswegen jetzt auf den Großangriff auf die Öffentlichkeit? Oder hat dir jemand einen Tritt in den Hintern gegeben, endlich mal aus dem Quark zu kommen?
Mega: Nee, das habe ich mir schon selbst so ausgesucht. Ich habe mir meine Leute zusammengestellt, alles sehr enge Freunde. Nur so geht es meines Erachtens nach. Das ist alles mit sehr viel Vitamin B entstanden, aber auch mit sehr viel Action. Ich habe mir den Arsch abgerockt. Meine Präsenz gehalten. Ich habe mit 17, 18 meinen HipHop gemacht, aber auch irgendwelche Boygroups produziert. Und die Leute, die ich schon seit 10 Jahren kenne, damit auch bei Laune gehalten.

uMag: Keine immer ganz leichte Aufgabe, wenn man freiwillig in Bremen bleibt, oder?
Mega: Von Bremen kommt der Vibe. Die Ebbe und die Flut, die Landschaft, die Weser, der Spirit des Flusses ... Alles andere passiert im ICE, bei Mitfahrgelegenheiten. In den letzten drei, vier Jahren bin ich in der Woche zwei- bis dreimal in der Woche von Berlin nach Bremen und zurück gefahren. Angefangen hat das auch ein bisschen als eine Art Selbstgeißelung. Ein paar Sachen sind gescheitert in meinem Leben, und so habe ich angefangen mit diesem Hobo-Ding.

uMag: Eine der Sachen, an denen du gescheitert bist, war zum Beispiel ein Umzug nach Berlin ...
Mega: Ja. Weil das nicht geklappt hat mit der Lady. Mit der großen Zukunft. Ich gebe sehr viel in Dinge und habe ein krass fotografisches Gedächtnis, das mir oft einen Strich durch die Rechnung macht. Ich bin sehr sensibel in Sachen Atmosphäre und Vibes und kann Situationen schnell durchschauen - und zwar so, dass ich dann damit überfordert bin. Und darum mache ich auch das, was ich mache.

uMag: Du hast mal über dich selbst gesagt, dass du nicht sehr extrem seist - aber doch zu extrem für den, der du bist. Nämlich ein sensibler Typ. Selbsterkenntnis auf der einen Seite, Sachen an die Wand fahren auf der anderen: Wie passt das zusammen?
Mega: Ich habe sehr viel Erkenntnis über mich selbst und bin auch ehrlich damit, heißt: Auch wenn es noch nicht richtig auserkannt ist, gehe ich damit hausieren. Ich bin der Typ Mensch, der viele Fehler macht, daraus auch lernt, eigentlich aber auch hätte vorbeugen können. Aber irgendwie habe ich dann immer das Gefühl, das Leben nicht zu spüren.

uMag: Schwingt da ein gewisser Masochismus mit ,oder findest du es einfach nicht schlimm zu scheitern?
Mega: Doch. Das finde ich superschlimm. Aber es gehört dazu. Dieses aalglatte Ding gibt es nicht. Ich grübele viel. Teilweise so lange, dass ich es nicht mehr schaffe, meine Wohnung aufzuräumen oder so. Oder irgendwelche normalen Sachen zu machen. Fehler an mir selbst zuzulassen und sie auch zu zeigen, ist für mich wichtig. Weil diese Leistungsgesellschaft die Menschen erdrückt.

uMag: Wäre bei so viel Drang zur Gesellschaftskritik der HipHop von früher nicht die bessere Form gewesen als der Soul von jetzt?
Mega: Ich habe damals HipHop gemacht, um meine Stimme zu erheben. Aber in den 90ern ist das im HipHop auch noch ein ganz anderer Idealismus gewesen. HipHop ist eine sehr abgesteckte Form von Kreativität, wie ein Baukastenprinzip. Es gibt im HipHop zwar alles, aber für mich ist es leider zu klaustrophobisch. Außerdem wollte ich irgendwann auch nicht mehr so viel Text schreiben, nicht mehr alles bis ins Detail erklären. Das kann ich sowieso nicht. Zu viel Klarheit, zu viel Wissen ist mir suspekt.

uMag präsentiert: Flo Mega

19. 10. Tower, Bremen
20. 10. Klubsen, Hamburg
21. 10. Festsaal Kreuzberg, Berlin
22. 10. Rosenhof, Osnabrück
26. 10. Club Bahnhof Ehrenfeld, Köln
27. 10. Das Bett, Frankfurt a. M.
28. 10. U-Club, Wuppertal
29. 10. Kulturfabrik, Krefeld
4. 11. Vier Linden, Hildesheim
10. 11. Musiktheater Piano, Dortmund
11. 11. Destille, Nordhausen
12. 11. Frapé, Aalen
16. 11. Kurhaus, Dangast
17. 11. Moritzbastei, Leipzig
18. 11. Waldsee, Freiburg
19. 11. Im Schlachthof, Karlsruhe
24. 11. Franz K, Reutlingen
25. 11. Club Bogaloo, Pfarrkirchen
28. 11. B72, Wien (AUS)
3. 12. E-Werk, Saarbrücken

Checkbrief

NAME Flo Mega
RICHTIGER NAME Florian Bosum
ALTER 31
KOMMT AUS Bremen
WOHNT IN Bremen
STUDIERT immer noch Illustration
ZEICHNET absurde Cartoons
HAT noch nie ein Album veröffentlicht, obwohl er seit seiner Jugend andere produziert hat
MOCHTE/MACHTE FRÜHER HipHop
MACHT/MAG HEUTE Soul
DEBÜT „Die wirklich wahren Dinge“ ist gerade erschienen
www.flomega.de