KUNST, ESSEN, DISKURS
Mit Matthias von Hartz wechselt der wichtigste Theaterfestivalmacher des Landes den Job. Und versetzt so die Szene in Bewegung.
Von Falk Schreiber
Matthias von Hartz war noch nie unterbeschäftigt. Der Festivalmacher leitete lange Zeit das Internationale Sommerfestival Hamburg und parallel dazu mit Tom Stromberg die alle zwei Jahre stattfindende Theaterbiennale Impulse in Nordrhein-Westfalen. Was es da zu sehen gab, war eine Chance für die chronisch unterfinanzierte freie Szene, an Zuschauer und Fördergelder zu kommen, es war aber auch die Möglichkeit für das Publikum in Städten wie Mülheim an der Ruhr, Teil an den Entwicklungen des (immer stärker auf Berlin konzentrierten) freien Theaters zu haben.
Jetzt aber hat von Hartz seine Jobs in NRW und Hamburg aufgegeben und führt ab diesem Sommer das Festival Foreign Affairs im Rahmen der Berliner Festspiele. Da macht er das, worin er bislang auch schon gut war: Er zeigt internationales, mehr oder weniger der postdramatischen Richtung verpflichtetes Theater vom Nature Theatre of Oklahoma oder von William Forsythe. Dazu gibt es feines, kunstnahes Musikprogramm mit Bands wie Gravenhurst, The Notwist und Apparat. "Ein Festival ist immer eine Ausnahmesituation, in der Begegnungen möglich sind, für die der Alltag keinen Raum lässt", sagt von Hartz. "In diesem Sinne werden wir alles tun, damit das Haus der Berliner Festspiele mit Kunst, Konzerten, Essen und Diskurs zu einem Ort wird, an dem ab dem frühen Abend bis in die späte Nacht fast alles möglich ist." Vom 27. 6. bis 14. 7.
Der Weggang des Chefs sorgt in NRW und in Hamburg natürlich für Umwälzungen. Beim Impulse-Festival hat der neue Leiter Florian Malzacher das Festival neu positioniert: Nicht nur eine Werkschau will der ehemalige Burgtheater-Dramaturg machen, sondern ein Produktionsfestival, statt Gastspielen von den Berliner sophiens¾len oder Kampnagel (Hamburg) wird es jetzt echte Impulse-Produktionen geben. Mit All-Time-Favorites wie den Berlin-Hamburger Performance-Grrrrls She She Pop und der ehemals Frankfurter, jetzt Berliner Gruppe andcompany&Co.; Vom 27. 6. bis 6. 7. in Köln, Düsseldorf, Bochum und Mülheim.
In Hamburg hingegen bleibt vieles wie gehabt: Neuer künstlerischer Leiter des Sommerfestivals ist András Siebold, der bislang Chefdramaturg im ausrichtenden Kulturzentrum Kampnagel war und entsprechend mit dem Programm vertraut ist. Wie gewohnt gibt es vom 7. bis 25. 8. eine Mischung aus Theater (Christoph Marthaler), Pop (Sophie Hunger), Theorie und Abwegigem (Lady Bitch Ray).
Und dann findet wie jeden Sommer natürlich noch die avantgardistische Nachwuchsnische beim bedeutendsten Festival des Theaterestablishments statt. Das Young Directors Project der Salzburger Festspiele wirkt auf die (halb-)freie Szene wie jedes Jahr als Frischzellenkur - 2013 mit Mokhallad Rasem (Amsterdam), 1927 (London), Jan Mikulásek (Brno) und Bastian Kraft (Hamburg).






