IM WALD- UND WIESENSTIL
Auch die Modedesignerin Ildikó Kele feiert die neue Lust am Ländlichen. Klamotten für Provinzheinis also? Wohl kaum.
Von Ellen Stickel
Ildikó Kele macht sofort klar, um was es bei ihrer Mode geht - und vor allem, um was nicht: "Kele Clothing gibt nicht vor, mehr zu sein, als es ist. Wir bieten simple und praktische Mode, befreit von allem unnützen Schnickschnack." Klingt erstmal todlangweilig, ist aber Teil einer Ehrlichkeit, die man bei den meisten Designern lange suchen muss. Schließlich geht es in der Welt der Mode häufig nur darum: besser, innovativer, billiger oder exklusiver zu sein als die Konkurrenz, aus kleinen News große Medienballons zu machen, in die Köpfe der Menschen zu kommen, damit die ihre Geldbörsen zücken. Klar, auch Ildikó Kele will erreichen, dass Leute ihre Kleidung kaufen; nur glaubt sie daran, dass man das am besten mit Lieblingsstücken erreicht, die über mehrere Saisons tragbar sind. Ihr Vorbild ist die Natur: "Die ist maßvoll - aber zugleich wunderschön."
Das Konzept scheint aufzugehen: Gerade mal zwei Jahre alt ist Kele Clothing, die Kollektionen werden aber schon an Shops in L. A., San Francisco, London, Barcelona und Singapur geliefert. Italien und Deutschland stehen als nächstes auf dem Programm. "Als Designstudent hast du nach dem Abschluss genau drei Optionen: Du versuchst, ein unbezahltes Praktikum bei einem bekannten Designer zu bekommen, du bleibst zu Hause und überlegst dir einen anderen Beruf, oder du gründest dein eigenes Modelabel", erläutert Ildikó Kele ihre Entscheidung, sich selbstständig zu machen. Dass sie mit ihrer Diplomkollektion den dritten Platz beim Apolda European Design Award gewann, gab ihr genügend Selbstvertrauen, um den Schritt zu wagen. Zusammen mit zwei guten Freunden, çron Balazs und János Mate, die sich um die Finanzen und das Marketing kümmern, gründete sie ihr Label in Budapest. Überhaupt: Freundschaften und Beziehungen sind ein wichtiger Baustein: "DIY ist ein intergraler Bestandteil unserer Arbeit, wir versuchen, alles selbst zu machen - mit Hilfe unserer Freunde und Familien natürlich, die Fotos machen oder uns Orte für unsere Shootings zur Verfügung stellen. Dafür sind wir super dankbar."
Die Fotos zu den Kollektionen entstehen ausnahmslos in der betörend urwüchsigen ungarischen Landschaft, in Feldern und Wiesen, im Schnee oder in der milden Abendsonne. "Seit ich nach Budapest gezogen bin, hatte ich nur wenig Zeit, um meine tiefe Verbindung mit der Natur auszuleben", erzählt Kele. "Wahrscheinlich übertrage ich meine nostalgischen Gefühle deshalb auf meine Entwürfe." In der Tat fallen beim Blick auf die Kollektionen nicht nur die reduzierten Schnitte auf, es stechen auch die satten Farben ins Auge, die allesamt von Flora und Fauna inspiriert sind: tiefdunkles Seeblau, sonniges Blumengelb, warme Erdtöne und knalliges Kirschrot. Die urbane Uniformnuance Schwarz kommt dagegen praktisch nicht vor. Dennoch werden Keles Designs vorwiegend von Großstädtern gekauft. Für die Designerin ist das aber kein Widerspruch: "Auch für das Leben in der Stadt bildet die Natur die Grundlage. Und meine Erfahrung ist, dass sich mehr und mehr Menschen nach der Ruhe der Natur sehnen." Ob die vielgepriesene Natur überall so beschaulich ist wie auf dem ungarischen Land - fraglich. Aber auch wenn man sich am Wochenende nur auf die Grünfläche an der Ecke verirrt, ist man mit Ildikó Keles Entwürfen jedenfalls eines: stimmungsmäßig passend angezogen.
Checkbrief
NAME Ildikó Kele
AUS Budapest
LABEL Kele Clothing
GEGRÜNDET 2011
VERKAUFT als eines von wenigen ungarischen Labels auch ins Ausland
NÄCHSTES PROJEKT Launch des eigenen Onlineshops diesen Sommer
keleclothing.com




