Foto Mode EXTRA: Nils Dunkel - INTO THE WILD
Foto: Brett Lloyd
> Mode EXTRA: Nils Dunkel

INTO THE WILD

Szeneliebling Nils Dunkel zeichnet, modelt, fotografiert.
Und in diesem Sommer definiert der 18-jährige Alleskönner
auch noch den Style fürs Shirt.

Text: Carsten Schrader

Es ist Samstagmittag, und Nils Dunkel hängt allerhöchstens halb wach auf den Lederpolstern eines Cafés im Hamburger Schanzenviertel. Zusammen mit Freunden hat er letzte Nacht bei der Eröffnung eines neuen Underage-Clubs aufgelegt, danach sind die DJs selbst noch durch die Szeneläden der Stadt gezogen. Doch so zerschossen er auch ist, der Style stimmt: die Haare perfekt verwuschelt, die Jeans so tight es nur geht. Okay, er trägt einen ollen lilabunten Strickpulli zum beige gemusterten Tuch. Aber er wird natürlich wissen, was er tut, und schon auf den zweiten Blick kommt die Kombi verdammt cool. Zudem hat die nächtliche Clubtour perfekte Kontraste in sein so schönes und ebenmäßiges Boyface gezeichnet. Er reibt sich kurz die Augen, und sobald er von seinen Projekten erzählt, beginnen sie eh zu leuchten.

Natürlich behauptet jeder von sich, viel beschäftigt zu sein. Doch bei Nils geht das so: Er malt und fotografiert, und wenn neben den Kunstprojekten noch irgendwie Zeit ist, dann modelt er, macht Musik, dreht mal eben mit Freunden in Berlin einen Videoclip dazu, designt Shirts, spielt DJ-Sets. Und dann baut er daheim in Kiel auch noch sein Abi, denn Nils Dunkel ist gerade mal 18.

Er selbst sieht sein Alter als großen Vorteil. "Gerade wenn man noch so jung ist, sollte man möglichst viel tun, weil es doch so viele alte Menschen gibt", lacht er, wird dann aber sofort ernst. "Es gibt einfach wenig junge Menschen, die wirklich was erschaffen, und ich habe das Gefühl, dass nur noch konsumiert und vor allem nur noch bewertet wird. In den Internetcommunities wird alles sofort von vielen Menschen gesehen, und viele haben einfach Angst, dass das, was sie machen, auch sofort abgelehnt wird. Das ist eben die große Schwierigkeit darüberzustehen, dass einem das egal ist."

Mit seinen Tierzeichnungen hat er sich durchgesetzt, demnächst ist eine Shirt-Kollektion mit fünf von seinen Motiven in angesagten Klamottenläden zu haben. Entdeckt hat er seine Liebe zu den Tieren, als er mit 16 für das Programmheft einer Inszenierung von Elfriede Jelineks "Über Tiere" am Deutschen Theater in Berlin einige Skizzen anfertigte. Nils hat weiter an dem Thema gearbeitet, bald kamen Farben dazu, deren Wirkung heute fast wichtiger ist als das Motiv selbst. So grandios die Zeichnungen auch sind, eine aufgesetzte Tiefsinnigkeit will er den Bildern trotzdem nicht verpassen. "Es ist zwar nicht oberflächlich, aber ich möchte damit trotzdem keine gezwungenen Geschichten verbinden." Dann muss er grinsen. "Dass ich dann sage: Freddi, der Fuchs aus dem Wald, ist mir an dem Tag eingefallen, als ich im Wald Pilze sammeln war. So eine Geschichte will ich auch nicht in einer moderneren Fassung erzählen."


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Zum Geheimnis seines Erfolgs gehört auch ein gutes Netzwerk. Das Cover der "Hamburg brennt"-EP von 1000 Robota hat er designt, weil Sänger Anton Spielmann zu seinem Bekanntenkreis gehört. Modeljobs übernimmt er vor allem für Fotografenfreunde, die ihm ein Mitspracherecht bei der künstlerischen Gestaltung gewähren. Und wenn er selbst Fotos macht, kann er auf eine aufregende Posse bauen, die etwa mit ihm für die Fotoserie "Vive la Foret!" im Glitzeroutfit in den Wald zieht.

Das Recht, Fotos zu machen und Bilder zu malen, nimmt er sich einfach. Mit der Aussage konfrontiert, dass sich das manche Leute noch vor einigen Jahren nur getraut haben, nachdem sie Kurse besucht, jahrelang rumprobiert und womöglich sogar studiert haben, setzt er einen skeptischen Gesichtsausdruck auf. "Ich denke schon, dass sich diese Art von Denken in meiner Generation ziemlich reduziert hat. Heute geht es viel mehr um das Endprodukt, und dabei wird nicht nachgehakt, wie derjenige wirklich darauf gekommen ist." Trotzdem sieht er diese Entwicklung nicht nur positiv. "Eine Gefahr besteht vielleicht insofern, dass es zu oberflächlich werden könnte und die Werke nichts mehr zu erzählen haben. Wenn alles so einfach geworden ist und auch die Qualität verloren geht, weil nur noch das Ergebnis im Vordergrund steht, dann ist das schon gefährlich", wägt er ab, lässt dann jedoch eine wegwerfende Handbewegung folgen. "Aber ich denke, dass das einfach eine Art Trend ist, der sich auch wieder zurückbildet."

Um nicht auf der Stelle zu treten, will Nils direkt nach dem Abitur ein Projektjahr einlegen und auf der Suche nach Inspirationen und neuen Kontakten wie schon im letzten Sommer durch verschiedene europäische Städte reisen: London, Paris, Mailand, Antwerpen. In ihm trifft der hemmungslose Mut, für nichts zu erwachsen zu sein, auf einen Hunger, der Oberflächlichkeit von vornherein ausschließt. Ob er in Zukunft den Schwerpunkt auf Zeichnungen oder Fotos legt, lässt er noch offen. "Das mache ich auch ein bisschen davon abhängig, wie die Sachen angenommen werden", sagt er und vertraut dabei neben der Fähigkeit, die eigenen Stärken einschätzen zu können, auch auf die Ratschläge von Freunden und Mentoren.

Mag sein, dass sich Nils noch eine Zeit lang in seiner Szene ausprobieren kann. Doch wenn er so weitermacht, wird er diesen Rahmen schon sehr bald sprengen. "Es ist eine spannende Phase, weil man ja noch nicht weiß, wie es in Zukunft werden wird. Aber ich habe große Hoffnungen und bin mir eigentlich sicher, dass es klappt", sagt er selbst. Dann werden Themen auftauchen, wie und wo man etwa die Kunst vom Kommerz abgrenzt. Doch solche Fragen überfordern an einem unausgeschlafenen Samstag. Nils setzt seine Fellmütze auf und zupft den Wollpulli zurecht, um in ein entspanntes Restwochenende zu starten. "Beim Auflegen wurde mir gestern mein Pulli geklaut, deswegen musste ich mir eben auf dem Flohmarkt noch dieses lila Teil für 'nen Euro kaufen", sagt er in der Tür des Cafés. Sollte es mit der Kunst gegen jede Wahrscheinlichkeit nicht laufen, die Modelkarriere ist ihm noch immer hundertprozentig sicher.

Aktion: Designershirts zum Sonderpreis

Auf seiner Website www.nilsdunkel.de erfahrt ihr alles über Nils Projekte. Außerdem gibt es die im U_mag vorgestellten Shirts bisher nur exclusiv im Dunkel Online Shop. U_mag-Leser, die im Zeitraum vom 1.4. bis 15.4. ihre Bestellung aufgeben, erhalten zehn Prozent Rabatt. Bei der Bestellung einfach den Code umagdunkel0409 angeben.

Interview

Das komplette Interview lest ihr hier: Nils Dunkel über Kunst zwischen Szene, Style und Selbstverwirklichung