PAUSENKUNST
Die Musik von Nanna Schannong ist vor allem eines: ein Grund, moderne Hörgewohnheiten infrage zu stellen.
Von Lasse Nehren
"In vielen Kritiken stand, meine EP sei ziemlich mutig", berichtet Nanna Schannong und lacht. Dabei haben sie Recht, diejenigen, die "The Day we told ourselves: Everything is going to be alright" gehört und für kühn befunden haben. Die bislang einzige Veröffentlichung der Dänin beginnt mit dem beinahe neunminütigen Song "We woke up" - nicht gerade ein Zugeständnis an den Skip-and-play-Hörer. Das feinfühlig und geduldig arrangierte Stück windet sich um eine zärtliche Noisegitarre, spielt mit dem Verhältnis von laut und leise und ergründet die Tiefe des Raumes. "Ich mag es, mit Stille und Pausen zu experimentieren", erklärt Schannong. Man spürt es. Die live eingespielte EP lässt Freiräume, in denen sich Töne langsam entfalten können, sie ist das Gegenteil von Hektik. Schannong studiert Songwriting in Aarhus - eigentlich verwunderlich, entsprechen ihre Songs doch so gar nicht dem, was man sich unter Lehrbuchskizzen vorstellt. Ob das Nebenprojekt Lowly ihr Inspiration liefert oder man die Regeln schlicht kennen muss, um sie zu brechen: Wenn Nanna Schannong, wie angekündigt, bald neues Material veröffentlicht, sollte man das nicht verpassen.


