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Foto Juli - KRUDE KUR
Foto: Sven Sindt
> Juli

KRUDE KUR

Juli haben versucht, das Stigma der Radiopopband abzuschütteln - und gemerkt, dass Protest um des Protests willen keine Lösung ist.

Interview: Carsten Schrader

uMag: Eva, vor vier Jahren habt ihr mit "In Love" eine Verweigerungsplatte aufgenommen, die deutlich sperriger war als die radiotauglichen Songs, für die ihr bis dato bekannt wart. Wie denkt ihr im Nachhinein über das Album?
Eva Briegel: Erst bei den Arbeiten zur neuen Platte "Insel" haben wir gemerkt, wie sehr wir damals verkrampft haben. Wir hatten bei "In Love" gedacht, wir machen uns tierisch locker und geben uns die Freiheit, alles auszuprobieren - das ist in den Druck ausgeartet, wirklich auch alles tun zu müssen. Das war ein wenig zu viel des Guten.

uMag: Hat das Album als der erhoffte Befreiungsschlag denn trotzdem funktioniert?
Briegel: Das würde ich schon sagen, ja. Zumindest, um mal die Grenzen von dem auszutesten, was wir überhaupt wollten. Sachen zu machen, vor denen man Bammel hat, tut immer gut. Außerdem haben wir die Erkenntnis mitgenommen, dass etwas, nur weil es krude ist, noch lange nicht gut ist. Ich hatte bei "Insel" zum ersten Mal das Gefühl, nichts zu müssen: nichts verneinen, nichts bedienen, nicht provozieren. Wir hatten auf einmal einen Nullpunkt erreicht, an dem wir nichts mehr beweisen wollten - auch uns nicht.

uMag: Euer neues Album "Insel" klingt in der Tat nicht mehr nach Verweigerung - und mit "Eines Tages" habt ihr sogar einen Song untergebracht, der utopisch anklingt.
Briegel: Ich bin ganz happy, dass uns mit dem Song eine Ambivalenz gelungen ist: Wir können singen, man solle nicht aufgeben - und gleichzeitig eingestehen, dass man das Ziel vielleicht sogar aufgeben muss, weil es utopisch ist. Der Song ist keine Handlungsanleitung: Als Band zu formulieren, wie man Dinge zu tun hat, halte ich für kontraproduktiv, denn es versammelt nur diejenigen um dich, die schon genau so denken wie du, und man ist sich einig, schlauer zu sein als alle anderen. Das lebt nur von Abgrenzung - und ist dann eben auch nicht mehr als das.