HUNDREDS: "AFTERMATH, PART 2"-TOURTAGEBUCH
Nicht nur, dass die Lieblingsband derzeit wieder durch die Landen tourt - es kommt noch besser: Zwischendurch wird sich Eva Milner immer mal wieder die Zeit nehmen, via uMag einen Einblick ins Leben on the road zu gewähren. And they're off ... !
(Aktualisiert! Ältere Einträge findet ihr stets weiter unten.)
TOURTAGEBUCH, TEIL 3
Würzburg, nach dem Konzert, 16. 12.
Wir sind heute in einer großen alten Posthalle. Etwas nostalgisch spreche mit dem Veranstalter über die Schließung des AKWs, eines großartigen Kulturzentrums. Hier habe ich meine Jugend verbracht, wahnsinnig viele gute Konzerte gesehen und neue Musik entdeckt. So etwas fehlt in Würzburg ein wenig. Aber das Konzert war trotzdem sehr schön. Selbst der Bürgermeister unserer Heimatstadt Leer, die nicht weit entfernt ist, hat getanzt.
Leipzig, 17. 12.
Hier im Täubchenthal ist es wunderschön. Vor allem das Essen ist unglaublich gut Die riesenhaften Spinnenkron-leuchter im Saal hätte ich gern zuhause. Wir freuen uns den ganzen Tag aufs Konzert. Ich muss herumfahren. Erst zu detektor.fm, wo ich einen Rückblick auf das "Popjahr 2014" mache. Dann schnell zum Hauptbahnhof und mit der Bahn nach Halle zu MDR Sputnik, wo mir die Moderato-rin als erstes erzählt, dass sie unser Album ca. 100 mal gehört hat, aber in der Zeit fürchterlichen Liebeskummer hatte, weshalb sie es gerade nicht mehr hören kann. Das kann ich verstehen, bei mir gibt es auch Bands, die ich nicht mehr hören kann: Bat for Lashes. Leider leider.
Nach den Radioterminen fahre ich schnell zurück ins Täubchenthal. Es gibt Maronensuppe. Ich bin begeistert. Während unseres Soundchecks kommen Wooden Arms an, die uns heute das letzte mal supporten. Wir sind alle ein wenig traurig und verabreden einen T-Shirt- und Plattentausch später am Abend.
Das Konzert wird ekstatisch. Leipzig ist Liebe. Amen.
Nach dem Konzert sind noch viele Freunde da und wir feiern noch ein bisschen.
Essen, 18. 12.
Diesen Tag verbringe ich komplett im Klub auf dem Sofa. Ich male das Wandgraffiti ab und lese Botho Strauß. So langsam macht sich das Tourleben bemerkbar. Ich bin auf jeden Fall etwas erschöpft und sammle Kraft für den Abend. Unser heutiger Support Miss Kenichi kommt an und wir unterhalten uns über seltsame Konzertkritiken. Das Konzert wird wunderbar. Die Leute sind von Anfang an begeistert dabei. Es gibt einen Herrn, der aussieht wie ein Graf und ca. 2m groß ist. Er ist mir schon auf mehreren unserer Konzerte 2014 aufgefallen. Er singt alle Texte mit und streckt die Arme in die Luft, ich freue mich und muss immer wieder grinsen. Heute gehen wir früher schlafen. Muss auch mal sein.
Münster, 19. 12.
In diesem Moment sind wir angekommen. Ich habe gleich wieder ein Interview. Es regnet aus Eimern und wir bereiten das Konzert vor. Ich freue mich darauf. Morgen ist Off-Day in Stuttgart und dann ist die Tour fast vorbei. Und dann am 29.12.14 folgt das Grande Finale im Grünspan in Hamburg. Kommt vorbei, das wird super.
TOURTAGEBUCH, TEIL 2
14.12.14 Potsdam, Waschhaus & 15.12.14 Wiesbaden, Schlachthof & 16.12.14 Würzburg, Posthalle
14.12. Potsdam
Was für ein grauer Tag, wir bleiben im schwarzen Club. Abends essen auf einem Schiff, es gibt Klöße und Rotkohl und eine Bluesband, zum Glück im Nebenzimmer.
Das Konzert wird unglaublich! Erstens ist es ausverkauft, zweitens werden Wooden Arms schon dermaßen begeistert empfangen, dass ich ganz aufgeregt werde. So aufgeregt war ich lange nicht mehr. Ich schminke mich und vermale mich ständig.
Als wir die Bühne betreten, hat es 30 Grad und ich muss mich beim dritten Lied das erste mal abtrocknen. Das Publikum tanzt und singt. Ich tue es ihm gleich. Für einen Sonntag Abend gehen alle extrem steil. Wir sind glücklich, nassgeschwitzt und sehr sehr glücklich.
15.12. Wiesbaden
Ich stolpere morgens (um 12:30) aus dem Bus und stelle fest: Der neue Schlachthof ist tatsächlich ganz neu gebaut. Der alte steht verlassen daneben. Aber ich muss sagen: es ist der durchdachteste Club bisher auf der Tour. Die Backstage-Räume sind wunderschön eingerichtet (hab leider vergessen zu fotografieren). Die Halle, in der wir spielen, wird für uns halbiert und ich habe das Gefühl beim Soundcheck zu schweben, so schwarz, leer und riesig ist der Raum um uns. Abends verabreden wir uns mit Wooden Arms zum Biertrinken. Aber erstmal das Konzert spielen: Es wird sehr schön, wenn auch mit viel langsamerer Fahrtaufnahme als gestern. Am Ende haben wir alle abgeholt, inklusive mir selbst.
16.12. Würzburg
In diesem Moment sitze ich im Backstageraum der wirklich riesigen Posthalle in Würzburg. Unsere Eltern sind da und essen mit der Crew zu Abend. Heute sind alle etwas müde. Ich habe einen neuen Koffer. Und meine Mama hat Lebkuchen gebacken.
Der Bürgermeister unserer Heimatstadt Lohr am Main kommt aufs Konzert. Ich bin gespannt.
Bis gleich.
TOURTAGEBUCH, TEIL 1
10.12.14, Jena, Kassablanca & 11.12.14 Heidelberg, Karlstorbahnhof & 12.12.14 Zürich, Komplex
Nach einem sehr anstrengenden, aber herrlichen ersten Tourtag (Aufstehzeit: 6 Uhr, Bettgehzeit: 3 Uhr) mit einem begeisterten Publikum und liebenswerten Veranstaltern im Kassablanca steigen wir nachts in den Nightliner, der uns im Schlaf nach Heidelberg fährt.
In Heidelberg angekommen (es regnet stetig) geht es für mich in die Innenstadt, wo ich vom Weihnachtsland und den Touristenströmen völlig überrumpelt werde. Ich versuche schnell zu sein, komme aber kaum vorwärts und lande schließlich im größten Warenhaus (ich muss noch ein paar Tour-Utensilien kaufen) der Stadt. Das lässt meine Stimmung nicht weihnachtlicher werden. Also schnell weg hier. Heidelberg, ich gebe dir nochmal eine Chance, wenn kein Weihnachtswahnsinn herrscht.
Miss Kenichi ist an diesen ersten zwei Tagen unsere Vorband und sie erweist sich als großartige Backstagegesprächspartnerin und auch ihre klare Musik hat es uns allen angetan. Nach dem gut gefüllten Konzert und vielen unterschriebenen Postern geht es wieder in den Bus und ab nach Zürich.
Hier ist die Location im Industriegebiet, zudem war hier bis vor einem Jahr ein Stripclub beherbergt. Als ich dem Haustechniker sage, dass ich das Gefühl habe, schon mal hier gewesen zu sein, ernte ich belustigte Blicke.
Irgendwann kommt unsere fröhliche Vorband für die nächsten vier Konzerte an: Wooden Arms aus Norwich. Wir erzählen uns schnell ganz viel und dann gehts an den Soundcheck. Der Club ist gemütlich und alles klingt gut, rot und plüschig, wie das Interieur. Wir spielen unten und oben in der großen Halle spielt die Punkband WIZO. Unser Manager macht ein Foto mit dem Sänger und ist danach wie frisch verliebt. Die Helden seiner Jugend. Ich kenne nur ein Lied namens: Tod im Freibad. Die Halle füllt sich mit einer großen Menge bierseliger Punks. Bei uns wird es nicht ganz so wild, aber mitgetanzt und sogar mitgesungen wird ebenso freudig. Es wird ein herrliches Konzert.
Um 12 Uhr geht es weiter, wir trinken ein paar alkoholische Getränke und Schweizer Limonade im Bus und erzählen Anekdoten. Mit dieser Crew, aus Licht-Ton und Visualstechnikern bestehend, sind wir nun auch schon seit 5 Jahren unterwegs. Da hat sich einiges an Geschichten angehäuft.
Am nächsten Tag wachen wir spät in Erfurt auf und verbringen die meiste Zeit im Studio unseres Soundmanns (Danke, André!). Wir packen unsere Maschinen aus und machen ein bisschen Musik. Morgen Potsdam. Gleich noch: Staffelfinale von Homeland.
Bis in Kürze. Eure Hundreds.






