RAUS HIER!
Die junge Designerin Franka Skrabak setzt auf Fair Trade und Kulturpflege - und schafft etwas Ungewöhnliches: Exotik made in Germany.
Interview: Samanta Hoffman
uMag: Franka, du hast dein Fashion-Label "Skrabak" in Halle an der Saale eröffnet. Dabei lebt die Modewelt doch vor allem in Metropolen wie Berlin, Köln und Hamburg.
Franka Skrabak: Das war eine bewusste Entscheidung. Selbstverständlich fragt man sich manchmal, ob man in einer Modemetropole nicht vielleicht doch mehr Input von außen bekommen würde oder ob die fehlende Nähe zu Straßentrends und hippen Läden es einem schwerer macht, Design zu liefern, das in der Zeit lebt - oder, ob man es schwerer hat, in zu werden. Aber gerade bei mir, wo die Inspiration von ganz woanders herkommt, wo Trends keine große Rolle spielen, weil meine Mode darüber hinausgeht, ist der Hauptsitz des Labels egal. Ist es zu langweilig, gehe ich ins Außen, fahre ich eben nach Berlin, Leipzig oder London, besuche Ausstellungen und mache dort die Augen auf. Seine Basis muss man eh immer verlassen, um gutes Design leisten zu können und sich kreativ aufzutanken. Das müsste ich auch, wenn die Basis Berlin oder Paris wäre.
uMag: Du bist nach Russland, Schweden, Indien, Marokko, Vietnam und in die Türkei gereist, um mehr über exotische Handwerkskunst zu lernen. Warum?
Skrabak: Weil es für mich kaum Schöneres gibt, als hautnah mit einer anderen Kultur in Berührung zu kommen. Schon die Gerüche faszinieren mich. Die Gestik der Menschen, das Essen, die Kleidung, die Architektur, die Transportmittel und immer wieder die unglaubliche Herzlichkeit der Menschen, wenn man ihnen positiv begegnet ... All das beeindruckt mich und wird mich immer wieder beeindrucken. Auf den Reisen sammle ich Eindrücke, Wortfetzen, traditionellen Bräuche, Riten, andere Umgangsweisen mit herkömmlichen Dingen und eben Handwerkskünste, die ich verarbeite und mit denen ich spiele. Ausdruck finden sie dann vor allem in den Stoffen. Ich entwerfe Muster mit Zeichnungen und Fotografien, die dann auf zertifizierte Stoffe gedruckt werden - entweder in Süddeutschland als Digitaldruck oder in einer kleinen Manufaktur in Halle per manuellem Siebdruck.
uMag: Globalisierung bedeutet immer auch das Verschwinden von Kultur. Du versuchst, bedrohte Vielfalt an Formen und Kulturtechniken zu erhalten. Bist Du eine Superheldin des Designs?
Skrabak: Ein Superheld ist für mich Batman, der die Menschheit vor Bösewichten beschützt. Ich sehe mich eher als jemand, der das schon vorhandene Gut mit einem Spot beleuchtet, es ins Gedächtnis zurückholt und in modifizierter Form in den Alltag einbindet - ich bin also eher eine Bewahrerin. Es wäre jammerschade, wenn wir durch die uns gegebenen Möglichkeiten wie Reisen, Telefon und Internet nicht mehr die Kleinigkeiten wahrnehmen würden, die Kulturen und Länder ausmachen. Ich versuche zu zeigen, dass der Mensch mit seinen Händen in jeder Kultur ein kleines Wunder vollbringt und dass man das in der schnelllebigen westeuropäischen Gesellschaft oft vergisst. Vielleicht bin ich eher eine Superheldin der Kulturtechnik ...
uMag: Auch Superhelden wollen überleben. Viele Modelabel müssen sich dem steigenden Konkurrenzdruck beugen und vernachlässigen dabei das Thema Nachhaltigkeit. Lassen sich deine ökologischen Prinzipien mit Erfolg und hoher Nachfrage vereinbaren?
Skrabak: Ich denke nicht, dass der steigende Konkurrenzdruck die Modebranche dazu zwingt. Es ist das stetig wachsende Verlangen nach "Mehr, immer, jetzt und alles!", was die Modebranche durch immer billigere Produkte zu stillen versucht. Hochwertige Produkte haben schon immer ihren Preis gehabt. In der Modebranche ist man vor Jahren ins billige Ausland gewichen und hat den Menschen vermittelt, dies wäre normal. Aber Kinderarbeit, keine Arbeitsschutzmaßnahmen, kaum Entlohnung und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen sind nicht normal. Mein Prinzip ist einfach: hervorragende Qualität, made in Germany, und jede Kollektion beinhaltet eine kleine Geschichte. Es ist für uns auch kein Problem, eine steigende Nachfrage zu bedienen. Die Stoffe werden für uns in jeder gewünschten Menge produziert, und die Lohnnäherei im Erzgebirge ist auch bei großen Stückzahlen zuverlässig. Für mich ist das ein sehr ausgewogener Weg, um Erfolg zu haben.
uMag: Kann man Nachhaltigkeit und Billigpreise miteinander verbinden?
Skrabak: Die Menschen machen sich Gedanken über ihr Essen, ihre Kleidung, ihre Gesundheit. Ich sehe das nicht als Trend, sondern als Wandel in der Gesellschaft - natürlich hat das alles seinen Preis. Würde meine Kollektion zu unmenschlichen Bedingungen in Asien produziert werden, könnte ich andere Preise anbieten. Die Frage ist nur: Für welchen anderen unmenschlichen Preis? Zum Glück ändert sich das Verständnis der Menschen gegenüber dem Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Billigschiene wird sicher immer einen Teil der Bevölkerung ansprechen, doch es werden auch immer mehr Menschen einen höheren Preis in Kauf nehmen, um aktiv gegen die Ausbeutung der Näher in Asien zu stimmen. Nachhaltig kann nie, wird nie und soll nie so billig sein wie Discountermode - das eine schließt das andere aus!
uMag: Bei deiner Debütkollektion "Rose of Marrakesh" gibt der Name schon Auskunft über die kulturelle Inspirationsquelle der Kollektion. Warum hast du dir genau diese marokkanische Stadt für deine Premiere auf dem Modemarkt ausgesucht?
Skrabak: In Marrakesch habe ich verschiedene Mosaikkünstler kennengelernt und durfte bei ihnen mitarbeiten. Ich habe mich in einem wunderschönen Riad voller Mosaikkachelwände eingemietet, und dort, umgeben von diesen Kacheln und dem Geruch von Minztee und Rosen, entstanden die Stoffmuster und die Kollektionssilhouetten. Nur wenige Menschen beherrschen noch das alte Handwerk der Mosaikkunst. Noch immer werden auf diese Art große Flächen, Brunnen und einzelne Wandstücke veredelt. Und trotzdem ist es ein aussterbendes Handwerk. In Deutschland habe ich die gestalteten Muster dann in den Digitaldruck in Süddeutschland gegeben, in Halle wurden die Siebdrucke angefertigt, im Erzgebirge wurde die Musterkollektion gefertigt, und in Berlin habe ich die Kollektion schließlich beim Green Showroom präsentiert.
uMag: Von welcher Kultur ist die kommende Herbst-/Winterkollektion inspiriert?
Skrabak: Die letzte Reise ging nach Sa Pa, einem kleinen Bergdorf im Norden Vietnams, wo ich einen Stamm der Schwarzen Hmong besucht habe. Diesmal nehme ich auch in der Schnittführung Bezug auf die traditionelle Kleidung der Schwarzen Hmong. Die Wickeltechnik der mantelartigen Überkleider war es, die mich besonders fasziniert hat. Die Kollektion wird dementsprechend auch "Sa Pa - A beautiful Smile" heißen.
Checkbrief
NAME Franka Skrabak
ALTER 29 Jahre
LABEL Skrabak/Modedesign
ORT Halle/Saale
STUDIERTE Conceptual Fashion Design in Halle
VERMISCHT High-End-Design mit ökologischen Materialien
CREDO eine Kultur, eine Kollektion
WILL NICHTS ZU TUN HABEN MIT Discounterpreisen
KOLLEKTIONEN sind komplett made in Germany


