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SOUL KITCHEN

Fatih Akin hat seine erste Komödie gedreht - über einen Wirt, sein Pech und sein Restaurant "Soul Kitchen". Richtig Lustiges wird dort aber nicht aufgetischt.

Von Volker Sievert

Früher saß Fatih Akin oft im Restaurant seines Kumpels Adam Bousdoukos. Sein Auffangbecken, sein Ort zum Feiern, sein Zuhause nennt Akin das heute. "Ich kann nicht mehr Party machen ohne Ende. Irgendwann kriegt man Kopfschmerzen, findet die Musik zu laut, verträgt den Rauch nicht mehr. Man wird älter. Das ist auch in Ordnung, dieses Lebensgefühl verschwindet eben irgendwann. Aber es ist es wert, einen Film darüber zu machen", sagt der Regisseur. Außerdem schuldete er seiner Heimatstadt Hamburg noch einen Film, einen Heimatfilm. Und ihn habe geärgert, dass man ihn nur als ernsten Filmemacher betrachtet. Also drehte Fatih Akin "Soul Kitchen".

Darin zeigt Akin die Hansestadt in ihrer ganzen architektonischen und milieuhaften Widersprüchlichkeit: den Kiez und seine verqualmten Kaschemmen, die Stadtvillen im edlen Alstervorland,leerstehende und von der alternativen Kunst- und Clubszenen okkupierte Kaufhäuser, die neureiche HafenCity. Alt und neu, Subkultur und Geldadel und die Viertel, wo alles zusammenfällt. Auch die Figuren sind ein Kaleidoskop der Stadt: der Restaurantbesitzer, der Kleinganove, der Immobilienhai, die Barfrau, der Idealist, die reiche Tochter, das Hamburger Original, der Szenegänger. Eine durch Aphrodisiakum zur Orgie entgleitende Party führt schließlich alle zusammen (und so manchen auch in die eine oder andere hinein ...).

Akins erste Komödie ist ein Lustspiel, in dem man an den Schicksalsschläge der Protagonisten teilhaben, aber in der nächsten Szene schon über sie lachen soll wie über Pat und Patachon. Akins Hauptfigur Zinos (Adam Bousdoukos) ist ein moderner Sisyphos: Was er sich aufbaut, geht innerhalb kürzester Zeit wieder kaputt. Doch ist er auch ein tumber Simplicissimus, der sofort die Hose runterlässt, wenn seine Freundin ihm per-Videotelefon ihre Brüste zeigt. Natürlich schaut die Putzfrau von gegenüber zu, natürlich reißt Zinos beim Versuch, zu masturbieren, die Webcam um. An solchen Versatzstücken aus "American Pie"-Humor merkt man: Akin ist kein Lustspielregisseur, und was in der Kneipe bei Joints und Ouzo todkomisch sein mag, ist auf der Leinwand dann doch nur Klamauk.

Zinos gehört die Frittenbude "Soul Kitchen". Als seine Freundin beruflich nach Shanghai geht, will Zinos mit, doch er mag seinen Laden nicht verkaufen, der sich zum Szenetreff entwickelt, nachdem er den eigensinnigen Koch Shayn (Birol Ünel) eingestellt hat. Als sich Zinos einen Bandscheibenvorfall zuzieht, sein krimineller Bruder Illias (Moritz Bleibtreu) auftaucht und sich in Zinos' Tresenkraft Lucia (Anna Bederke) verliebt und der Immobilienmakler Neuman (Wotan Wilke Möhring) die "Soul Kitchen" weggentrifizieren will, bricht in Zinos' Leben das Chaos aus.

Das alles passt nicht wirklich zusammen. Akin will einfach zuviel, und das ist erstaunlich - hatte er doch ein hochkomplexes Drama wie "Auf der anderen Seite" in Ton und Gewichtung perfekt gemeistert. Vielleicht ist Fatih Akin ausschließlich Küchenchef für das Seriöse. Und vielleicht brauchte es dieses Films, damit er das auch akzeptiert. Es gibt Schlimmeres, als einer der besten ernsten Autorenfilmer Europas zu sein.

Trailer



"Soul Kitchen" startet am 25. Dezember 2009.

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