Foto Daniel Johnston -
Foto: Hazelwood
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"MAN VERTRAUT MIR KEIN FLUGZEUG MEHR AN"

Kurt Cobain pries ihn als weltgrößten Songschmied, Indienerds vergöttern ihn: den manisch-depressiven Sänger Daniel Johnston. Ein Mann am Abgrund - doch uMag hat ihn lachen hören.

Von Matthias Wagner

uMag: Daniel, hi, how are you ...?
Daniel Johnston: Danke, gut.

uMag: Mit dieser Begrüßungsfloskel bist du einst als Graffitikünstler berühmt geworden. Kurt Cobain trug mal ein T-Shirt, auf dem sie draufgedruckt war. Bist du vom Stuhl gefallen, als du das im Fernsehen gesehen hast?
Johnston: Mann, das war echt was, als er das auf MTV getragen hat! Echt cool.

uMag: Hast du die Sendung live gesehen?
Johnston: Nein, ich kenne nur Fotos davon.

uMag: Du scheinst mehr Künstler als Fans zu haben als Plattenkäufer.
Johnston: (lacht) Ja, ich bin mehr so der Undergroundtyp.

uMag: Aber wäre dir kommerzieller Erfolg nicht doch lieber als brotlose Anerkennung?
Johnston: Klar, darauf hoffe ich auch. Vielleicht habe ich ja irgendwann mal einen Hit.

uMag: Versuchst du denn einen zu schreiben?
Johnston: Immer! Aber ich denke trotzdem weniger über Hits nach als über Kunst.

uMag: Dein Leben ist geprägt von Krisen und Krankheiten, die deine Kunst essenziell geprägt haben. Würdest du, wenn das möglich wäre, die Kreativität hergeben, um die Krankheit loszuwerden?
Johnston: Jedenfalls strebe ich nicht danach, die Kunst loszuwerden ... Dabei ist sie mehr so eine Art Hobby, ich betreibe sie nur zum Spaß. Und mir geht's gut dabei.

uMag: Schön zu hören. Welche Idealvorstellung hättest du von deinem Leben, wenn du es dir frei aussuchen könntest?
Johnston: Weiter aufnehmen zu können, größere Chancen zu bekommen, so in diese Richtung.

uMag: Dein neues Album geht ja gut los - mit einem Mann, der sich einen Zug über den Kopf fahren lässt. Warum steht dieser verstörende Track am Anfang?
Johnston: Ich weiß nicht genau, welcher Song das ist. Wir haben so viel aufgenommen ...

uMag: Du vergisst deine eigenen Songs?
Johnston: Ich weiß ungefähr, welchen Song du meinst. Aber das ist alles schon so lange her.

uMag: Du hast schon mal einen Flugzeugabsturz verursacht.
Johnston: Ja, das stimmt. Zum Glück leben wir alle noch.

uMag: Wäre es noch immer riskant, dein Beifahrer zu sein?
Johnston: Yeah ... Man vertraut mir kein Flugzeug mehr an.




uMag: "I love you more than myself", singst du an einer Stelle. Ich bin mir nicht sicher, wieviel Liebe das bedeutet ... Kannst du das quantifizieren auf einer Skala von 1 bis 10?
Johnston: Wenn du jemand sehr liebst, wird manchmal alles zu viel.

uMag: Liebst du dich sehr?
Johnston: (lacht) Weiß nicht, was ich darauf antworten soll.

uMag: Auf dem neuen Album wird dein geradezu verzweifelter Gesang in üppige Orchesterklänge gehüllt. Du giltst ja als eher menschenscheu. War es nicht beängstigend, mit so vielen Musikern kooperieren zu müssen?
Johnston: Nein, es macht Spaß, mit unterschiedlichen Leuten zu spielen.

uMag: Keine Probleme?
Johnston: Keine Probleme, nein.

uMag: "True love will find you in the End" ist fast schon ein optimistisches Manifest und trotz seiner Schrägheit der schönste Trostsong seit "Cry to me". Es gibt einige solcher Verse auf der Platte, die die Chance auf Glück aufscheinen lassen. Wird am Ende doch noch alles gut?
Johnston: Ja, ich hoffe, dass auf diesem Album etwas mehr Glück untergekommen ist.

uMag: Wie kommt's?
Johnston: Ich möchte jeden aufheitern, der das Album hört. Jedenfalls ist mir das lieber, als jeden zu deprimieren.


Tourdates

5.4.2010 [*Berlin*] Astra Kulturhaus
6.4.2010 [*Frankfurt*] Mousonturm
12.4.2010 [*Hamburg*] Fabrik

[*uMag*] präsentiert Daniel Johnstons Gastspiele mit The BEAM Orchestra.