DAS KLASSISCHE MTV-KID
Julia Stoschek ist mit 34 Jahren die jüngste Großsammlerin zeitgenössischer Kunst. Vom 16. April bis 25. Juli ist ihre Medienkunst-Sammlung in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen
Interview: Falk Schreiber
uMag: Frau Stoschek, Sie haben BWL studiert und sind heute Gesellschafterin im Familienbetrieb. Was begeistert jemanden wie Sie an zeitgenössischer Kunst?
Julia Stoschek: Meine Großmutter war Schauspielerin, mein Urgroßvater Generalmusikdirektor. Ich bin aber aufgewachsen in einem modernen Unternehmerhaushalt, und da waren erstmal andere Richtwerte vorgegeben. Ich habe mein betriebswirtschaftliches Studium nie bereut, aber der Wunsch nach Umgang mit kreativen Menschen war Zeit meines Lebens vorhanden.
uMag: Sie sammeln in erster Linie Medienkunst. Das ist, freundlich ausgedrückt, nicht gerade massentauglich. Ist so eine Sammlung aus betriebswirtschaftlicher Perspektive überhaupt sinnvoll?
Stoschek: Wenn man aus monetären Gesichtspunkten sammelt, ist es sicherlich nicht sinnvoll, ausschließlich Time-Based-Media-Arbeiten zu erwerben, da die Wertsteigerung in dem Bereich noch minimal ist. Aber aus diesem Grund sammle ich auch nicht.
uMag: Und weswegen dann?
Stoschek: Ich bin Jahrgang 75, klassisches MTV-Kid, meine Großmutter hat viele Filme gedreht, mein Vater ist technisch interessiert und hatte immer die neuesten Kameras, bei uns wurden ganz viele Ereignisse auf Video aufgezeichnet - das war für mich das Medium, das mir am nächsten war. Das ist für Familien mit langer Sammlertradition nicht ganz nachvollziehbar. Aber da meine Eltern nicht sammeln und ich nicht aus dem Kunstbereich komme, war klar, dass ich mich einem Medium widme, das mir sehr vertraut ist.


