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JONATHAN MEIBURG VON SHEARWATER

Mit ihrem neuen Album "The golden Archipelago" feiern Shearwater die Schönheit unberührter Natur. Doch in Sachen Umweltschutz findet Sänger Jonathan Meiburg seinen eigenen Aktionismus noch ausbaufähig.

Interview: Michael Schock

uMag: Jonathan, euer neues Album "The golden Archipelago" klingt viel progressiver als die folkigen Vorgänger. Ist das eine natürliche Entwicklung, oder wolltet ihr diesmal unbedingt etwas Neues ausprobieren?
Jonathan Meiburg: Ich wollte etwas anderes machen - aber das will man ja immer. Ein neues Album aufzunehmen ist, wie mit einer Taschenlampe in einem dunklen Zimmer herumzuleuchten, von dem man nicht weiß, was drin ist und wie groß es ist. Man versucht einfach, nur das zu machen, was sich richtig anfühlt. Einige Dinge waren mir aber bereits vorher klar: Ich wollte ein lautes Schlagzeug, und ich wollte unsere Bassistin Kim hören, weil ich sie bisher auf unseren Alben nie so richtig gehört habe.

Jonathan Meiburg live in Bed



Weitere Fotos des Shootings gibt es auf www.katrinb.com.



uMag: Außerdem gibt es Samples, die wie Weltmusik klingen ...
Meiburg: Was man am Anfang hört, ist die Nationalhymne des Bikini-Atolls. Wir hatten bereits eine Weile an der Platte gearbeitet, doch bevor ich diese Hymne gehört habe, konnte ich einfach keinen Schlüssel finden, der unser Album aufschließt. Die Aufnahme ist wirklich erstaunlich, ich habe niemals etwas Vergleichbares gehört. Die einzige Gefahr war, dass sie eine gute Chance hat, besser als unsere eigene Musik zu sein.

uMag: Jetzt stapelst du aber sehr tief!
Meiburg: Ich war mir wirklich unsicher, aber als wir sie genau dort am Anfang platziert hatten, fühlte es sich richtig an. Dass sie am Ende sogar noch mal in "Uniforms" auftaucht, war ein glücklicher Zufall. Wir arbeiteten an dem Song und bauschten ihn auf, aber ich war noch immer nicht ganz glücklich damit. Weil wir nur die Hälfte der Hymne am Anfang unseres Albums benutzt hatten, packten wir die zweite Hälfte einfach in diesen Song - und es passte perfekt.

uMag: Auf allen eurer Alben gibt es diese kleinen Wutausbrüche, plötzliche, aggressive Schübe. Nicht wirklich brutal, aber doch heftig. Ist das persönliche Wut?
Meiburg: Es ist eine besondere Art zu fühlen, die ich nur beim Singen habe. Meine Stimme ist nicht besonders rockig, daher ist das eine Stimmfarbe, die gegen den Rest meines Timbres steht. Genau das macht es interessant und gefällt mir deshalb auch.

uMag: Mit deinen stimmlichen Fähigkeiten könntest du dich doch auch mal an was richtig Forderndem versuchen und etwa einen Kate-Bush-Song covern.
Meiburg: Daran habe ich auch schon gedacht. Für diese Tour planen wir aber erst mal, Peter Gabriel zu covern. Ich hab schon eine kleine Auswahl zusammen, und am liebsten soll es ein Song aus den 80ern werden. Ich weiß allerdings noch nicht, ob wir das packen. Peter Gabriel ist immer noch großartig, aber in den 80ern war er wirklich auf dem Höhepunkt seines Schaffens.

uMag: Viele Bands geben sich neuerdings als Ökoaktivisten und sagen sogar Tourneen aus ökologischen Gründen ab. Reagieren da Fans nicht eher genervt, anstatt ermutigt zu werden, selbst etwas zu unternehmen?
Meiburg: Viele Leute glauben, der Luftverkehr sei der Grund für die ganze Misere. Natürlich ist er überhaupt nicht gut, aber Kohle zur Erzeugung von Elektrizität oder extensive Viehzucht sind viel schädlicher. Die Leute merken mehr und mehr, dass wir ein großes Problem haben. Ich glaube aber nicht, dass herumfliegende Rockbands der Tropfen sind, der das Fass zum überlaufen bringen wird. Daran hängt sicher nicht, ob die Erde ein leicht bewohnbarer Ort für unsere Spezies bleibt. Aber vielleicht verdienen wir ja auch gar keine leicht bewohnbare Heimat.

uMag: Also ist es nicht die Verantwortung einer Rockband, Umweltschutz zu bewerben?
Meiburg: Jede Rockband kann bewerben, was immer sie möchte. Künstler können sagen und machen, was sie wollen, solange sie niemandem damit schaden. Und zu promoten, dass unsere moderne Lebensweise das Überleben unserer Spezies immer unwahrscheinlicher macht, ist doch eine gute Sache.

uMag: Was tust du im alltäglichen Leben, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen?
Meiburg: Auch nur das olle Zeug, das jeder macht: Ich versuche Wasser zu sparen, recycle, ich spende an Umweltschutzorganisationen. Persönliche Verantwortung ist wichtig, aber oft wird die Verantwortung auch auf den kleinen Mann abgeschoben. Um große Veränderungen in Gang zu bringen, muss man die Gesetze ändern. Mein Vater arbeitet schon seit 30 Jahren für die Environmental Protection Agency und hat sein ganzes Leben dem Erschaffen und Implementieren von Umweltschutzgesetzen gewidmet. Da kann ich natürlich nicht mithalten.




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