Foto André Pilz, Man Down - KAPITULATION
Foto: Doris Doppler
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KAPITULATION

Von Kathrin Kaufmann

"Oh ja, Florian, ich liebe den Kick, den Rausch. Er hält mich am Leben und macht mich kaputt. Mit jedem Rausch verliere ich ein Stück meiner Seele und meiner Kraft und meines Willens. Verliere ich einen Teil meiner Lebensfreude. Das ist eine Kapitulation, oh ja. Eine Kapitulation auf Raten."
Es ist der gnadenlose Niedergang eines netten Kerls, den André Pilz in seinem Roman "Man down" nachzeichnet. Wie bereits in seinen ersten zwei Büchern tut der in München lebende Autor das auf schonungslose Weise. Kai, 25, nach einem Unfall auf Hartz IV und verschuldet, versinkt immer tiefer im Schlamassel. Pilz begleitet das mit derber Sprache und harter Konsequenz: Ob beim Nazis aufmöbeln, Drogen schmuggeln oder wenn er angepisst auf seiner eigenen Matratze liegen bleibt, der Autor hält drauf. Eigentlich widerwärtig. Zumindest fühlt man sich beim Lesen ekelhaft, wie ein Voyeur, der die Scheiße anderer mit Genuss betrachtet. Aber Pilz' Buch ist dennoch gut. Weil die Menschen in "Man down" niemals nur hass- und gewaltbereit sind, sondern auch liebesfähig. Weil er sie als Opfer eines Systems zeichnet, in dem wenige viel und manche gar nichts haben. Und weil man mit dem netten Kerl mithofft. Bis zuletzt.


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