uMag // Zugabe

uMag verlost die neuen Retro Rockets von Asics!


meinKinoprogramm

Das Magazin als PDF zum Durchblättern

uMag // Never Ending Interview

Jetzt. Hier >> youtube.com/neverendingintervu

uMag // Konzert im Bett

Jetzt. Hier >> youtube.com/konzertimbett
Am 25. August gibt es das neue uMag am Kiosk.
Foto:
> Robyn

WILLKOMMEN IM CLUB

Denkt noch jemand, es ginge bloß um Beats? Für Robyn jedenfalls passieren die entscheidenden Dinge im Leben auf der Tanzfläche. Und direkt daneben.

Interview: Katharina Behrendsen

uMag: Robyn, dein Album von 2005 - in Deutschland erst 2007 veröffentlicht - war dein großes Comeback. Mit dem eigentlich niemand mehr gerechnet hat. Jetzt hingegen gibt es jede Menge Erwartungen. Bist du aufgeregter als beim letzten Mal?
Robyn: Ehrlich? Ich war weder beim einen noch beim anderen Album aufgeregt. Ich werde nie nervös, wenn es darum geht, was die Leute über meine Musik denken.

uMag: Wo kommt denn bitte ein solches Selbstbewusstsein her?
Robyn: Also, mit Selbstbewusstsein hat das meiner Meinung nach nichts zu tun. Wenn ich das Gefühl habe, ich habe mein Bestes geben und kann stolz auf das Ergebnis sein, ist es nicht mehr so wichtig, was Andere denken. Es geht mir bei meiner Arbeit ja nicht darum, zu gefallen, sondern etwas zu machen, was mir Spaß macht.

uMag: In der Theorie hört sich das gut an. Aber du bist auch eine Rampensau ...
Robyn: Ja!

uMag: ... und Liveauftritte machen doch um einiges mehr Spaß, wenn das Publikum die Musik toll findet und so richtig feiert.
Robyn: Vor Liveauftritten bin ich super aufgeregt. Das ganze Adrenalin, was da durch deinen Körper pumpt ... Klar hast du Hoffnungen, wie das Publikum auf deine Musik reagiert. Wenn es allerdings um die Musik selbst geht: Die ist, wie sie ist. Da kann ich nichts machen - nur hoffen, dass sie gut ankommt.

uMag: Von "Robyn" zum viel elektronischeren "Body Talk Pt. 1" scheint es ein größerer Schritt zu sein als von allem, was du früher gemacht hast, zu "Robyn" - und das in weitaus kürzerer Zeit. Entwickelt man sich schneller, je älter man wird?
Robyn: Ich denke schon, dass man mit zunehmendem Alter größere Schritte machen kann. Man hat mehr Erfahrung und vielleicht auch mehr Selbstvertrauen. Meine Stimme musste ich zum Beispiel erst finden. Das habe ich mit "Robyn" getan und konnte dementsprechend jetzt ziemlich effektiv arbeiten. Ändern wollte ich eigentlich gar nicht mehr viel, wusste aber, was ich unbedingt noch ausprobieren und vorantreiben wollte.

uMag: Du hast nicht nur deinen eigenen Sound entdeckt sondern auch eine sehr eigene Form, dein Album auf den Markt zu bringen: in drei Teilen - wobei bisher nur "Body Talk Pt. 1" fertig ist. Warum?
Robyn: Ich bin mit dem letzten Album drei Jahre lang getourt und fand es frustrierend, währenddessen nicht ins Studio zu können. Ich habe also nach einer Möglichkeit gesucht, die Zeitabstände zu verringern. Ich habe die ersten acht Songs rausgehauen, als sie fertig waren, spiele jetzt ein paar Konzerte und mache dann weiter. Wenn man will, kann man es puren Eigennutz nennen. Allerdings glaube ich, dass das meinem kreativen Prozess besser entspricht als die von der Industrie vorgegebenen Veröffentlichungszyklen. Es ist ein Experiment. Mal sehen, was dabei rauskommt.

---
uMag: Das erste Ergebnis spricht für sich - und für die Clubkultur. Zufall oder Absicht?
Robyn: Auf jeden Fall Absicht! "Body Talk" ist ein Clubalbum, insgesamt, nicht nur "Pt. 1", auch der Rest wird in diese Richtung gehen.

uMag: Du begnügst dich aber nicht nur mit tanzbaren Beats, du thematisierst das Ausgehen auch. Selbstfindung, Liebeskummer ... alles findet bei dir auf der Tanzfläche statt - oder daneben.
Robyn: Ja, auch textlich ist das ein Clubalbum. Ich habe in den letzten Jahren eine Menge Zeit in Clubs verbracht, nicht nur mit Auftritten, sondern auch in meiner Freizeit. Ich habe das Ausgehen spät für mich entdeckt, weil ich früher wegen der ganzen Arbeit keine Zeit dazu hatte. Clubs sind unglaublich interessante Orte - und wichtige Orte für unsere Generation. Sie haben schon fast was Sakrales. Man geht hin, um etwas zu erleben, das größer ist als man selbst.

uMag: War es also eher die Metaebene der Clubkultur, die sich dazu bewegt hat, ein so tanzbares Album aufzunehmen?
Robyn: Ach, Quatsch. Als Kind der 80er und 90er bin ich mit Musik aus dem Dancebereich aufgewachsen, die Charts waren voll mit Sachen von Snap und Technotronic. Ich bin mit der Clubkultur also untrennbar verbunden, selbst wenn ich früher gar nicht in Clubs gegangen bin. Aber aus der Perspektive, die ich heute habe, ist es aber über das Musikalische hinaus eben auch interessant, sich inhaltlich damit zu beschäftigen, was passiert, wenn wir ausgehen. Clubs sind nicht immer bloß Orte, an denen wir glücklich sind. Manchmal bist du dort auch traurig, wütend oder einfach nur aufgedreht. Ich liebe es, Leute im Club zu beobachten. Man kann dort wirklich einiges übers Leben lernen.

uMag: ... und man kann dort tanzen. Was bedeutet Tanzen für dich?
Robyn: Eine Menge! Wenn man auftritt, benutzt man seinen Körper wie ein Werkzeug. Ich benutzte ihn eigentlich genau wie meine Stimme - und kann damit ebensoviel kommunizieren.

uMag: Siehst du dich auch noch in der Rolle der Tänzerin? Immerhin bist du schon Sängerin, Songwriterin, Produzentin und Labelboss.
Robyn: Ich sehe mich in allen diesen Rollen, aber wenn ich es zusammenfassen soll, würde ich sagen: Performer. Oder vielleicht sogar: Kommunikator! Aber insgesamt versuche ich einfach, mich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Deswegen liebe ich elektronische Musik auch so sehr. Für mich ist es die perfekte Mischung aus Pop und Beats, aus Texten und Einfachheit - aus hirngesteuert sein und einfach mal sagen: "Fuck you."


Check-Brief

Name: Robyn
Bürgerlicher Name: Robin Miriam Carlsson
War: Teenie- und Mainstreampopstar(1995-2002), größter Hit: "Show me Love"
Ist: nicht nur Sängerin, sondern betreibt auch ihr eigenes Label: Konichiwa Records
Hat am 12. Juni Geburtstag
Wird 31 Jahre alt
Wird außerdem nach "Body Talk Pt. 1" noch "Pt. 2" und "Pt. 3" veröffentlichen
Aktuelle Platte: "Body Talk Pt. 1" erscheint am 15. Juni
www.robyn.com