BARNABY DER BRAVE
Als Teenie wurde Schauspieler Barnaby Metschurat von der Polizei nach Hause gebracht. Heute gibt er den toughen Kommissar. Auch beim Modeshooting fürs U_mag zeigte Barnaby verschiedene Seiten: Mal mimte er den coolen Typ, mal den nachdenklichen Romantiker - zu sehen in der Making-of-Fotostrecke oder im Video zum Shooting.
Fotos: Josephine Eberhardt
[*U_mag*]: Barnaby, für unsere Fotostrecke hast du den coolen Gangster gegeben, in der Fernsehserie "KDD - Kriminaldauerdienst" spielst du einen Kommissar, der immer nur das Gute will. In welcher Rolle fühlst du dich wohler?
[*Barnaby Metschurat*]: Am schönsten wäre eine, die beides vereint. Ich finde Figuren interessant, bei denen die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen.
[*U_mag*]: Was gefällt dir nicht am nur Guten oder nur Bösen?
[*Metschurat*]: Es ist zu eindimensional. Ich glaub ja, dass das alles eine Frage der Perspektive ist. Was ist denn das Gute, und was ist das Böse? Zum Beispiel in den USA: Sind die Amerikaner die Bösen, weil sie einen Krieg im Irak oder in Afghanistan führen? Oder sind sie gut, weil sie ihre Freiheit verteidigen? Wer hat die Übersicht darüber, was wirklich gut und was böse ist? Ich habe sie auf jeden Fall nicht.
[*U_mag*]: Für dich selbst und dein direktes Umfeld hast du aber bestimmt Kriterien.
[*Metschurat*]: Nicht wirklich. Klar, für meine eigenen Handlungen habe ich eine Einteilung. Aber wenn ich andere Menschen sehe ... Okay, wenn ein paar junge Leute eine Oma auf dem Bürgersteig verprügeln, dann denke ich mir: Das ist eine böse Tat. Aber es könnte ja auch sein, dass es total die Fascho-Oma ist, die den Typen schon seit Wochen die Bullen auf den Hals hetzt, weil die sich in ihrer Wohnung Marihuana spritzen oder so. (lacht) Im Ernst: Ich bin nicht so schnell damit, andere Leute zu be- oder verurteilen. Es steckt eben immer viel mehr dahinter, als auf den ersten Blick ersichtlich ist.
[*U_mag*]: Für dich gibt's Kriterien also nur auf ganz persönlicher Ebene.
[*Metschurat*]: Wie ich selbst mich verhalte, das kann ich bewerten. Manchmal tue ich natürlich auch schlechte Dinge, die ich im Nachhinein scheiße finde. Aber ich bin definitiv kein Gangstertyp, der gerne Böses anstellt.
[*U_mag*]: Der Wunsch, sich mit Gut und Böse zu beschäftigen, ist enorm groß - Krimiserien und Kriminalromane zum Beispiel boomen. Kannst du dieses Interesse erklären?
[*Metschurat*]: Vielleicht sehnt man sich nach Abenteuern? Wir leben ja in einer eigentlich sehr sicheren Gesellschaft. Okay, da gibt es den Terrorismus, und wir sind ein potenzielles Ziel. Aber im Grunde geht's für den Einzelnen doch immer nur darum, Altersvorsorge zu betreiben, regelmäßig zur Krebsvorsorge zu gehen, den eigenen Arbeitsplatz zu sichern. That's it. Fiktional möchte man sich da wohl einfach gerne in Abenteuer stürzen. Gut und Böse sind ja auch so Grundzutaten - wie Salz und Pfeffer. Egal ob in der Liebe, der Politik oder der Religion: Letztlich geht es immer um diese beiden Pole!
[*U_mag*]: In der Fiktion? Oder sprichst du von der Realität?
Metschurat: Im echten Leben finden das Gute und das Böse wohl in einem viel kleineren Spektrum statt. Mein Leben jedenfalls ist nicht so abenteuerlich, dass ich heldenhaft um das Gute kämpfe und das Schlechte abwehren muss. Im Alltag werden diese beiden Begriffe vielleicht abgelöst durch Ziele und Rückfälle. Das Ziel: Ich möchte morgens früher aufstehen und mehr Obst essen. Der Rückfall: Ich habe schon wieder gesoffen und komme nicht vorm Morgengrauen ins Bett.
[*U_mag*]: Im Alltag hat allerdings auch das Böse einen gewissen Charme. Ich meine natürlich nicht Mord und Totschlag, sondern kleine Vergehen - man fährt über eine rote Ampel und genießt das Gefühl des Illegalen. Kannst du diesen Reiz nachvollziehen?
[*Metschurat*]: Es ist halt eine Grenzüberschreitung, man traut sich etwas. Wer so ein Verbrechen begeht, der ist mutig. Wenn man ein Kerl ist, macht es einen auch noch männlich und diabolisch. Verbrechen ist sexy. Wer am Samstagmittag mit einer Blechbüchse in der Fußgängerzone steht und Kleingeld für ein Tierheim sammelt, der ist definitiv nicht so heiß wie der Typ, der über eine rote Ampel fährt.
[*U_mag*]: Aber warum?
Metschurat: Da geht's schon um Klischees. Von dem Mann, der da mit seiner Sammelbüchse steht, hast du sofort ein Bild: ein Langweiler, eine Pussy, ein Weichei. Was natürlich total bescheuert ist.
>> Weiterlesen im U_mag 0608 auf Seite 46


