Contemporary Music

Loreena McKennitt: Die Weltenwandlerin

Loreena McKennitts Folk ist stark von mittelalterlicher Mystik und keltischem Folk geprägt. Trotzdem geht die Kanadierin für ihr neues Album „Lost Souls“ auch mit der Zeit.

Manche Dinge sind einfach zeitlos: Shakespeare, Stonehenge oder Sonnenwendfeiern – und natürlich Loreena McKennitt. Kanada kann so innovative und den Trend belebende Künstler wie Arcade Fire oder The Weeknd hervorbringen, McKennitt bleibt ihren traditionellen Wurzeln treu. Dem keltischen Folk früherer Alben hat die 61-Jährige zuletzt spanische und orientalische Einflüsse zur Seite gestellt – selbstredend jene, die historisch und mystisch geprägt sind. Für ihr letztes Album „An ancient Muse“ recherchierte sie in der Türkei und Griechenland und reiste sogar in die Mongolei. Zwölf Jahre später erscheint nun ihr achtes Album „Lost Souls“ und greift genau diese Einflüsse wieder auf.

 

berauschenden Kombinationen west-östlicher Klangtraditionen

 

Die musikalische Verbindung unterschiedlichster Kulturen zeigt sich anfangs mediterran mit Flamencogitarre und Kastagnettenrhythmen in „Spanish Guitars and Night Plazas“, dann als leichtfüßige von Cello und Klavier begleitete Klavierballade „A hundred Wishes“, in der McKennitt die Sehnsucht nach Frankreich besingt. Erst in „Ages past, Ages hence“ wird mit mittelalterlicher Tastenfiedel und verzückt hohem Gesang wie zum Menuett aufgespielt. McKennitt, die selbst Klavier, Harfe und Akkordeon spielt, greift für „Lost Souls“ auf die Unterstützung internationaler Musiker zurück, die sie an Schlagzeug, Percussions, aber auch Drehleiher, Kastenzither, Oud oder Lyra unterstützen. Das macht vor allem Instrumentals wie „Manx Ayre“ oder „Sun, Moon and Stars“ zu einer berauschenden Kombination aus west-östlichen Klangtraditionen.

Auch von der Lyrik John Keats’ und William Butler Yeats‘ hat die Künstlerin sich beeinflussen lassen: „La belle Dame sans Merci“ und „The Ballad of the Fox Hunter“ huldigt der Poesie der zwei großen Dichter. Der Titelsong aber geht auf Ronald Wrights Buch „Eine kurze Geschichte des Fortschritts“ zurück, in dem der kanadische Historiker und Schriftsteller der Menschheit in Hinblick auf den Fortschritt den Verlust ihrer moralischen Richtung attestiert – verlorene Seelen eben. So anachronistisch, wie die Musik McKennitts anmutet, so sehr zeigt sich die Musikerin mit diesem Album als Botschafterin für die Zukunft – jenseits konstruierter Grenzen von Zeit, Raum und Nation.

 

Loreena McKennitt „Lost Souls“ ist bei Quinlan Road erschienen.

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