Contemporary Music

Malik: Reimen gegen rechts

Wie geht man um mit globalen Krisen, dem Rechtsruck und gesellschaftlicher Spaltung? Rapper Malik hat nicht nur auf seinem neuen Album „Die Zukunft“ eine Antwort gefunden.

Man will eigentlich gar nicht erwähnen müssen, dass Rapper Malik seit seiner Kindheit im Rollstuhl sitzt. Und trotzdem ist diese Tatsache eng mit seinem Schaffen verwoben, das zeigt sich schon darin, dass der Rollstuhl auf dem Cover seiner neuen Platte „Die Zukunft“ abgebildet ist – leer, inmitten einer verlassen Lagerhallen-Szenerie. Das Foto spiegelt wohl auch genau diese Hoffnung wider, dass Maliks Behinderung bei der Rezeption seiner Musik irgendwann mal keine Rolle mehr spielt. Auf seinem ersten Album „Gerecht gerächt“ ließ er seinem Frust darüber freien Lauf, in der Musikindustrie teils auf offene Ablehnung gestoßen zu sein; auch darüber hinaus war die Platte ein wenig zimperlicher Rundumschlag gegen die damalige HipHop-Szene. Sein Gangsterimage wollte der Freiburger parodistisch verstanden wissen. Passt auch gar nicht zu dem Musiker, der sich einen herzensorientierten Sozialdemokraten nennt.

Elf Jahre später klingt Malik weit kontrollierter. „Damals gab es nur Conscious-Rap auf der einen und dieses Gangsterding auf der anderen Seite“, erinnert sich der MC. „Heute ist HipHop weitaus vielschichtiger.“ Irgendwo zwischen Sozialkritik und Straße pendeln auch die 18 Tracks seiner neuen Platte: In „Erlösung“ und „Ins Licht“ zeichnet Malik seine eigene Biografie nach, der Kragen platzt ihm vor allem dann, wenn es um Extremismus geht, etwa im Track „Todesengel“, in dem er seine Wut gegen Rechtsradikale ausspuckt.

„HipHop muss noch viel politischer werden“, ist Malik überzeugt. „Die Spaltung der Gesellschaft greift immer weiter um sich, bis ins Innere der Familie hinein. Früher hatte ich immer das Gefühl, dass man über bestimmte Dinge noch diskutieren könne, aber mittlerweile sind die Positionen so verhärtet, dass kaum noch eine Übereinkunft möglich ist.“ Trotzdem plädiert der Rapper dafür, das Gespräch zu suchen. „Zu manchen Menschen habe auch ich den Kontakt abgebrochen, aber das ist im Grunde keine Lösung. Man muss, soweit sich das Gegenüber darauf einlässt, mit Argumenten dagegenhalten.“ Diese Strategie habe sich in seinem Fall oft bewährt, bestätigt Malik. „Schon das Albumcover ist trotz der dunklen Farben eher zuversichtlich, weil der leere Stuhl ja auch einen Aufbruch symbolisiert. Ich glaube, dass wir in Deutschland noch immer genug reflektierte Leute haben, die etwas zum Guten ändern wollen – aber aktuell sind diese Menschen noch viel zu leise.“

Malik „Die Zukunft“ ist bei Hares Records erschienen.

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