Contemporary Music

Jon Hopkins: Danke, David Lynch!

Was haben transzendentale Meditation, Hollywood, das berühmt-berüchtigte Berliner Berghain und uralte Ideen gemeinsam? Vielleicht nichts – aber sie sind trotzdem die Geheimzutaten von Jon Hopkins neuem Album „Singularity“.

Carsten Schrader: Jon, du wirkst unglaublich entspannt, dabei gilt es fünf Jahre nach dem großen Durchbruch mit „Immunity“ jetzt den Nachfolger zu präsentieren.

Jon Hopkins: Beim letzten Album war der Druck größer, denn hätte „Immunity“ nicht funktioniert, wäre es mein viertes Soloalbum ohne größeren Zuspruch gewesen. Endlich ist das eingetreten, worauf ich 15 Jahre lang hingearbeitet habe: Während ich in der Vergangenheit immer Soundtrackarbeiten oder Kollaborationen wie die mit Coldplay einplanen musste, konnte ich mich jetzt ausschließlich auf meine eigene Arbeit konzentrieren.

 

Carsten Schrader: War die Gefahr groß, sich zu sehr am eigenen Meisterwerk zu orientieren?

Jon Hopkins: Die Ausgangsidee hatte ich bereits mit 25: Ich wollte irgendwann ein Album aufnehmen, bei dem ein ganzes Sounduniversum von einer identischen Anfangs- und Endnote zusammengehalten wird, und schon damals wusste ich, dass dieses Album „Singularity“ heißen wird. Natürlich sollte es wieder um Kontraste gehen, und so folgt auf einen elfminütigen Technotrack eine sanfte Ambient-Studie. Dabei gab es für mich viel Neues zu entdecken: Zum ersten Mal habe ich mit einem 15-köpfigen Chor gearbeitet, und ich wollte mich von dem Dogma befreien, dass meine Tracks immer einer bestimmten Linearität zu folgen haben.

Carsten Schrader: So düster und bedrohlich wie im eröffnenden Titelstück hast du nie zuvor geklungen.

Jon Hopkins: Da hat sich der Zeitgeist eingeschrieben – nur wollte ich nicht auf dieser Negativität hängenbleiben. Über David Lynch bin ich zur Transzendentalen Meditation gekommen, von der ich bei der Arbeit am Album sehr profitiert habe.

Carsten Schrader: Kannst du Meditationserfahrungen direkt in den kreativen Prozess übertragen?

Jon Hopkins: Die Meditation kann schon sehr trippy sein, nur transportiert sie bei mir keine Inhalte. Es geht eher darum, tiefer in seine Psyche vorzudringen und sich zu öffnen.

Carsten Schrader: Dann ist es mit einer intensiven Clubbing-Erfahrung vergleichbar?

Jon Hopkins: In etwa schon, nur kann ich mein Mantra viel flexibler in meinen Tag integrieren. Als ich beim letzten Mal mein Set im Berghain beendet hatte, war es vier Uhr morgens, und ich bin noch zwölf Stunden im Club geblieben. Meditieren kann ich aber auch, wenn ich Flugzeug sitze oder zum Einkaufen gehe.

Jon Hopkins „Singularity“ ist erschienen.

FESTIVALS 15. 6. Maifeld Derby, 13. 7. Melt!

LIVE 25. 10. Berlin

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