Contemporary Music

Kunstsammlerin Julia Stoschek: Das klassische MTV-Kid

Gerade bekam die Kunstsammlerin Julia Stoschek den Preis der Art Cologne für ihr weises und engagiertes Sammeln und Konservieren von zeitbasierter Medienkunst. Die Gründe, ausgerechnet diese Art der zeitgenössischen Kunst zu sammeln, verriet sie Falk Schreiber im Interview.

Dieses Interview ist erstmals in uMag 04/2010 erschienen anlässlich der Ausstellung von Julia Stoscheks Medienkunst-Sammlung vom 16. April bis 25. Juli 2010  in den Hamburger Deichtorhallen.

 

Falk Schreiber: Frau Stoschek, Sie haben BWL studiert und sind heute Gesellschafterin im Familienbetrieb. Was begeistert jemanden wie Sie an zeitgenössischer Kunst?

Julia Stoschek: Meine Großmutter war Schauspielerin, mein Urgroßvater Generalmusikdirektor. Ich bin aber aufgewachsen in einem modernen Unternehmerhaushalt, und da waren erst mal andere Richtwerte vorgegeben. Ich habe mein betriebswirtschaftliches Studium nie bereut, aber der Wunsch nach Umgang mit kreativen Menschen war Zeit meines Lebens vorhanden.

Falk Schreiber: Sie sammeln in erster Linie Medienkunst. Das ist, freundlich ausgedrückt, nicht gerade massentauglich. Ist so eine Sammlung aus betriebswirtschaftlicher Perspektive überhaupt sinnvoll?

Julia Stoschek: Wenn man aus monetären Gesichtspunkten sammelt, ist es sicherlich nicht sinnvoll, ausschließlich Time-Based-Media-Arbeiten zu erwerben, da die Wertsteigerung in dem Bereich noch minimal ist. Aber aus diesem Grund sammle ich auch nicht.

Falk Schreiber: Und weswegen dann?

Julia Stoschek: Ich bin Jahrgang 75, klassisches MTV-Kid, meine Großmutter hat viele Filme gedreht, mein Vater ist technisch interessiert und hatte immer die neuesten Kameras, bei uns wurden ganz viele Ereignisse auf Video aufgezeichnet – das war für mich das Medium, das mir am nächsten war. Das ist für Familien mit langer Sammlertradition nicht ganz nachvollziehbar. Aber da meine Eltern nicht sammeln und ich nicht aus dem Kunstbereich komme, war klar, dass ich mich einem Medium widme, das mir sehr vertraut ist.

 

Die Julia Stoschek Collection kann sonntags 11-18 Uhr in Düsseldorf besichtigt werden.

 

Mehr Lust auf Kunst? Martina Weinhart, Kuratorin der Frankfurter Schirn Kunsthalle berichtet im Interview von der aktuellen Ausstellung (und dem Umgang) mit politischer Kunst. Und Fotograf Peter Bialobrzeski lotet im Interview die Grenzen zwischen Kunst und Dokumentation aus.

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