Contemporary Music

Mach mich (nicht) schwach!

Sie ist die toughe Gitarristin von Warpaint, doch mit ihrem Soloprojekt TT und dem Album „Lovelaws“ lebt Theresa Wayman jetzt eine Seite von sich aus, die sie sich lange Zeit nicht zugestehen wollte.

Carsten Schrader: Theresa, eigentlich wäre ein Soloalbum doch gar nicht nötig gewesen, da ihr euch mit dem letzten Warpaint-Album endgültig von der Festschreibung als Gitarrenband gelöst habt, so dass auch deutlich elektronischere Songs mit der Band möglich wären.

Theresa Wayman: Stimmt, nur hatte ich hier Songs geschrieben, die bereits sehr ausdefiniert waren und den anderen nicht genug Raum gelassen hätten. Seit ich 17 bin, träume ich von einem elektronischen Popalbum, das musikalisch und textlich sehr direkt ist.

Carsten Schrader: Gerade weil man dich als toughe Gitarristin von Warpaint kennt, hat es vermutlich sehr viel Mut gekostet, mit „Lovelaws“ diese deutlich zerbrechlichere Seite von dir zu offenbaren, oder?

 

Theresa Wayman: Es gab so viele Momente, in denen ich alles hinschmeißen wollte. Und neben dieser Angst, sich zu sehr zu offenbaren, bin ich auch sehr wankelmütig: Mitunter musste ich diese Songs wochenlang liegen lassen, weil sie mir zu gefühlvoll waren und ich lieber kantige und dissonante Musik machen wollte. Was auch der Grund ist, warum ich dieses Soloalbum nicht unter meinem Namen, sondern als TT veröffentliche. Es repräsentiert nur einen Teil von mir, und es gibt noch so viel andere Musik, die ich veröffentlichen möchte.

Carsten Schrader: Besonders überraschend auf der TT-Platte ist das von sehr romantischen Vorstellungen getriebene Sehnen nach einer Beziehung.

Theresa Wayman: Dieses Eingeständnis ist mir verdammt schwer gefallen. Ich war immer ein Tomboy und habe es als Schwäche empfunden, wenn Frauen sich nach einer Beziehung verzehrt haben. Doch ich trage beide Seiten in mir, weswegen „Too sweet“ als letzter Song auf dem TT-Album auch eine Schlüsselfunktion hat: Dieser Wunsch ist kein unüberwindbarer Gegensatz zu meinem Anspruch, eine unabhängige Frau zu sein.

Carsten Schrader: Fühlst du dich jetzt besser, weil du dich zu dieser Sehnsucht nach einer Partnerschaft bekannt hast?

Theresa Wayman: Ich fühle mich vor allem besser, weil ich sie damit auf ein gesundes Maß zurecht gestutzt habe. Weil ich jahrelang diese Mauer um mich herum hochgezogen habe, wurde der Beziehungswunsch irgendwann übermächtig. Er ist noch da, aber er dient nicht mehr als Projektionsfläche, und da ich meine Energie nicht mehr mit Tagträumereien verpulvere, kann ich sie in andere Dinge investieren, die mindestens genauso wichtig sind.

TT „Lovelaws“ ist bei Universal Music erschienen.

 

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