Roger Smith – der (Krimi-)Gott des Gemetzels

Brutal, brutaler, Roger Smith! „Mann am Boden“ ist ein Splatterthriller – mit politischem Tiefgang.

Wenn am Anfang eines Roger-Smith-Thrillers eine Geflügelschere auf den Tisch gelegt wird, kann man sicher sein, dass sie am Ende in eine Augenhöhle gerammt wird. Der ehemalige Drehbuchautor ist bekannt für den fantasievollen Einsatz von Haushaltsgerätschaften und seine Schadenfreude, mit der er die Protagonisten in unausweichliche Leidenshöllen schickt. Kaum eine Buchseite, auf der nicht Flüssigkeiten jeglicher Couleur aus Körpern spritzen: meist nicht selbstbestimmt, meist schmerzhaft, immer im Detail beschrieben.

Diesmal trifft es den vermeintlichen Biedermann John Turner, der seit zehn Jahren mit seiner Frau und seiner Tochter Lucy in Tucson, Arizona lebt. Turner importiert automatische Poolreinigungsroboter aus seiner alten Heimat Johannesburg und möchte die Zeit vergessen, in der er sich dort nicht gerade zimperlich im Drogenbiz versucht hat.

 

Wenn die Akku-Kreissäge in die falschen Hände fällt …

 

Doch die Vergangenheit holt ihn ein, als bewaffnete Männer in sein Haus eindringen und ihn und seine Familie bedrohen. Welch perfider Plan wirklich hinter der Home Invasion steckt, wird erst deutlich, als dieser außer Kontrolle gerät und eine Akku-Kreissäge in die falschen Hände fällt …

Smiths Splatterorgie ist jedoch kein reiner Selbstzweck. Vielmehr benutzt er sie, um die ausufernde Gewalt in der südafrikanischen Gesellschaft darzustellen, die eine Spätfolge der Rassentrennung ist. Mit seinen überspitzten Szenarien entlarvt er die Arroganz der weißen Oberschicht, die sich in Konflikten mit verarmten Schwarzen gewissenlos über jegliche Moralgrenzen hinwegsetzt. So tut einem am Ende dann auch nur einer wirklich leid: der kleine Pool-Roboter, der verzweifelt quietschend versucht, die ganze Sauerei wieder in den Griff zu bekommen.

 

Roger Smith „Mann am Boden“ ist im Tropen Verlag erschienen.

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