Die Donots lassen die Bombe platzen

Die Donots werden mit „Lauter als Bomben“ zu Wiederholungstätern – denn sie finden sich einfach besser auf Deutsch.

uMagazine: Ingo, Guido, Jan-Dirk, jedes Mal, wenn Leute künftig über das neue Donots-Album „Lauter als Bomben“ diskutieren, wird die NSA hellhörig. War dieser Titel schlau?

Ingo Knollmann: (lacht) Wenn es danach ginge, hätte die Terrorgruppe ein noch viel größeres Problem. Der Titel ist natürlich plakativ, aber Zeiten wie diese erfordern das einfach auch.

uMagazine: Wahrscheinlich sind die Donots sowieso auf diversen Indexen …

Ingo Knollmann: Da geh ich mal von aus – wäre ja peinlich, wenn nicht!

uMagazine: „Lauter als Bomben“ ist als das zweite deutschsprachige Album der Donots auch eine Art Bewährungsprobe. Wie schwierig war es?

Jan-Dirk Poggemann: Ich habe das Gefühl, seit wir diesen Wechsel zum Deutschsprachigen gemacht haben, fließt alles wieder viel lockerer aus uns raus. Als ob ein Bann gebrochen wäre. Es ist geil befreit zurzeit.

Ingo Knollmann: Nach mehr als 20 Jahren war „Karacho“ ja schon eine Art Startschuss. Mal wieder etwas, das einen kitzelt. Es wäre viel zu früh gewesen, das Experiment schon wieder zu beenden. Klar gibt es immer welche, die sagen, mir hat es auf Englisch besser gefallen – aber erschreckend wenige.

Guido Knollmann: Vielleicht waren wir auf Englisch ja unerträglich …
Ingo: Vielleicht. Aber wir bleiben ja auch noch zumindest teilunerträglich, denn „Karacho“ und auch „Lauter als Bomben“ gibt es für Japan und Amerika ja auch auf Englisch.

uMagazine: War es schwierig, die deutschen Texte ins Englische zu transferieren?

Ingo Knollmann: Deutsches Texten ist natürlich schon schwerer, da wird dir nicht jedes Füllwort vergeben. Englisch fließt zwar sehr gut, aber du musst erstmal die Tiefe von deutschen Texten erreichen.

Jan-Dirk Poggemann: Manchmal funktionieren auch ganze Themenbereiche und Wortspiele nicht. Und die übersetzten englischen Texte haben auch einen anderen Touch als die, die gleich auf Englisch geschrieben wurden. Total spannend.
Ingo, kriegst du nicht manchmal Fusseln am Mund, wenn du während des Konzerts zwischen den Sprachen switchen musst?

Ingo Knollmann: Nee, der einzige Moment, in dem ich Fusseln am Mund hatte, war, als wir in Tokio spielten und ich zu viel japanisches Bier intus hatte. Da war „Karacho“ gerade raus, es war die erste Show zum Album, wir hatten die ganze Zeit für die Festivals auf Deutsch geprobt – und dann musste ich in Japan natürlich alles auf Englisch singen. Da ist mir ein ums andere Mal der Draht aus der Mütze geflogen.
Jan-Dirk: Und zeitgleich haben wir auch noch einige Songs akustisch geprobt. In Japan waren wir alle völlig frittiert. Das war glaube ich die schlechteste Show, die wir jemals gespielt haben. Ein Riesen-Brainfuck.

uMagazine: Wie behaltet ihr eigentlich seit Jahren die Wut, die Kraft und die Attitüde? Sammelt ihr vor dem Texten Hasstiraden, um in Stimmung zu kommen?

Ingo Knollmann: (lacht) Nee, ich lote nur ganz gerne Extremsituationen aus. Wenn ich mich sehr über etwas echauffiere, dann fallen mir viel schneller Worte ein, als wenn ich ein Lied über Schmetterlinge und Blumen schreibe. Und die momentane Situation gibt es ehrlich gesagt auch nicht viel anders her. Es war ja im Punk schon immer so: Wenn es politisch bergab ging, gab es die besten Texte. Mit der AfD haben wir derzeit eine perfekte Grundlage. So beschissen die Situation auch ist: Es sind spannende Zeiten, um in einer Band zu sein. Während der Obama-Administration haben sich dagegen sicher einige US-Punkbands verzweifelt gefragt, worüber sie nun eigentlich singen sollen.

Jan-Dirk: Wir können nur schwer auf Heile Welt machen. Es ist schon auch unsere Aufgabe, den Kids hier und da was zum Nachdenken mitzugeben.

uMagazine: Nur den Kids?

Ingo Knollmann: Na ja, die Älteren sollten das ja schon selber geschnallt haben.

Jan-Dirk Poggemann: Oder sie sind schon so altersverstockt, dass sie nicht mehr hinhören.
Oder sie hören einfach wirklich nix mehr …

Ingo Knollmann: Das eine geht ja oft mit dem anderen einher.

uMagazine: Ihr geht aber weiterhin mit der gereckten Faust vorneweg?

Ingo Knollmann: Pioniere sind wir da nicht. Punk, Hardcore oder Indie tragen alle diesen Gegengedanken in sich, daraus entstand ja eine ganze Subkultur. Wir haben halt nur einfach unsere Spielart für den Protest gefunden, unser Zuhause liegt im Punk, Rock und related – und das ist eigentlich ein ganz schönes Zuhause mit einer schönen Nachbarschaft. Meine Plattensammlung besteht halt zum größten Teil nicht aus „Wave your hands in the air like you just don’t care“. Ich habe darin viel mehr Ausrufezeichen und Fragezeichen.
Interview: Ellen Stickel

Das Album Donots „Lauter als Bomben“
erscheint am 12. 1.

ab 20. 2. sind die Donots auf Tour, Tickets und Termine gibt es z. B. hier.

 

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