Contemporary Music

Alice

Karies‘ neues Album „Alice“ ist zwar weniger Postpunk als gewohnt, dafür aber mehr positive Umdeutung des Popbegriffes. Überfällig!

Nach wie vor ist es schwierig, über Karies zu sprechen und dabei Die Nerven nicht zu erwähnen. Das fängt schon bei Personalfragen an: Während Nerven-Drummer Kevin Kuhn seinen Platz hinterm Schlagzeug wegen zahlreicher anderer Verpflichtungen für Paul Schwarz von Human Abfall geräumt hat, zeichnet sich Nerven-Gitarrist Max Rieger für das dritte Album des Stuttgarter Quartetts verantwortlich. Was durchaus Sinn ergibt, denn ähnlich wie ihre allseits gefeierten Gesinnungsgenossen haben auch Karies das musikalische Spektrum erweitert: Waren sie mit dem Vorgänger „Es geht sich aus“ noch mehr oder weniger eindeutig als Postpunkband zu verorten, leisten sie mit „Alice“ einen wertvollen Beitrag zur positiven Umdeutung des Popbegriffs. Songs wie „Nebenstraßen“ und „Haverie“ fußen zwar weiter auf krachigen Gitarren, offerieren jedoch eine bislang nie gehörte Eingängigkeit, ohne dabei an Druck einzubüßen. Vor allem aber profitieren die zwölf neuen Songs von der Hinzunahme waviger Elektronik, mit der Karies bei „1987“ oder dem Titelstück sogar tanzbar sind. Womit man unterm Strich dann wieder bei Die Nerven ist. So gut deren letztes Album „Fake“ auch ist, die Frage nach der besten Platte 2018 beantworten wir lieber erst zum Jahresende – nicht zuletzt um zu sehen, wie sich „Alice“ auf längere Sicht macht. cs

Karies • Album

Künstler: Karies
Titel: Alice
Label: This Charming Man
VÖ: 12.10.2018

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