Amanda Palmer: Tour im September

Im September tourt Amanda Palmer durch sieben deutsche Städte. Vorab haben wir mit ihr über das sehr persönliche Album „There will be no Intermission“ gesprochen.

Nur wenige Künstlerinnen sind so einzigartig und zugleich so umtriebig wie Amanda Palmer: Zuerst war sie ein Teil des Punk-Cabaret-Duos The Dresden Dolls, später eine Hälfte von Evelyn Evelyn, dazu kommen zahlreiche Kollaborationen mit Edward Ka-Spel oder Jack Palmer, ihrem Vater … Palmer hat schon in den verschiedensten Formationen gearbeitet, bleibt aber zugleich unverkennbar: immer extrovertiert, immer furchtlos, immer theatralisch. Auch das aktuelle Album der Musikerin haben Fans komplett via Crowdfunding finanziert – und ihr für die Single „Drowning in the Sound“ sogar beim Schreiben geholfen. Trotzdem ist „There will be no Intermission“ Palmers persönlichstes Stück Musik bisher.

Amanda, deine neue Platte „There will be no Intermission“ ist dein erstes Soloalbum seit „Theatre is evil“, das du im Jahr 2012 durch eine Kickstarter-Offensive veröffentlicht hast.

Amanda Palmer: Ehrlich gesagt bin ich lange Zeit davon ausgegangen, kein weiteres Album mehr zu veröffentlichen, da das im Streaming-Zeitalter ja eigentlich eine überkommene Form ist. Direkt nach der Veröffentlichung von „Theatre is evil“ ist mein bester Freund an Krebs erkrankt, ich wurde im Netz wegen der Finanzierung meiner Projekte angegriffen, habe ein Buch geschrieben, hatte eine Abtreibung, eine Fehlgeburt und bin Mutter geworden – da wirft man sich eher ins Leben und versucht irgendwie klarzukommen, statt in vorstrukturierten Albenkonzepten zu denken und zu planen.

Dann war das Songschreiben vor allem eine therapeutische Maßnahme, um all diese Schicksalsschläge zu verarbeiten?

Palmer: Mir war es auch ein politisches Bedürfnis, diese Songs in der althergebrachten Form eines Albums mit der Welt zu teilen. Die #MeToo-Debatte in den USA hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, sich als Frau verletzlich zu machen, um all diese Erfahrungen ganz offen und ehrlich zu diskutieren.

Es ist ein sehr reduziertes, oft nur mit Piano und Ukulele orchestriertes Album. In Songs wie „The Ride“ und „Drowning in the Sound“ entwirfst du eine Kartografie unserer Gegenwart, indem du Themen wie die Klimakatastrophe, Hasskommentare im Netz und Taylor Swift einbeziehst. Und dann ist da noch das Stück „Voicemail for Jill“ …

Palmer: Seit ich mit der Musik angefangen habe, bin ich daran verzweifelt, einen Song zu schreiben, in dem es um Abtreibung geht. Wie soll man über dieses Thema schreiben, ohne dass es plump oder belehrend rüberkommt? Der Umschwung kam, als ich 2018 nach Dublin gereist bin, um die Aufhebung des Abtreibungsverbots in Irland zu feiern. Plötzlich wurde mir klar, dass es nur über einen sehr konkreten Austausch zweier betroffener Frauen funktionieren kann.

Im September geht Amanda Palmer auf Deutschlandtour. Tickets gibt es bei Eventim.

Interview: Carsten Schrader

 

Amanda Palmer • Album

Künstler: Amanda Palmer
Titel: There will be no Intermission
Label: Cooking Vinyl
VÖ: 08.03.2019

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