Contemporary Music

Anna von Hausswolff: Kunst ohne Transparenz

Seit vielen Jahren feilt die Schwedin Anna von Hausswolff nun schon an ihren apokalyptischen Kompositionen – und rettete sich selbst ausgerechnet mit dieser düsteren Musik und einem neuen Album namens „Dead Magic“ aus einer schweren Lebenskrise.

Carsten Schrader: Anna, die Arbeit an deinem neuen Album „Dead Magic“ muss sehr schwierig gewesen sein: Während du seit fast zehn Jahren sehr düstere Musik veröffentlichst, haben apokalyptische Platten aufgrund der aktuellen Weltlage plötzlich Konjunktur. Selbst im Bubblegum-Pop hat man bemerkt, dass mit dieser Thematik Geld zu verdienen ist.

Anna von Hausswolff: The void is unavoidable. (lacht) Tatsächlich ist genau das der Grund, warum ich das Konzept hinter „Dead Magic“ nicht erläutern möchte. Ich will das Album nicht zum Produkt degradieren, und wer sich auf meine Musik einlässt, kann auch ohne meine Erklärungen eine Verbindung zu ihr herstellen. Damit gehe ich ganz bewusst in Opposition zu einer Kunst, in der alles erklärt wird. Anders als in der Politik ist Kunst nicht auf Transparenz angewiesen.

 

 

Carsten Schrader: Du willst deine Kompositionen nicht erklären, aber du stellst das Arbeiten in größer angelegten Konzepten nicht generell in Frage?

Anna von Hausswolff: Zunächst war ich dazu gezwungen. Als ich das Album geschrieben habe, befand ich mich in einem Zustand totaler Hoffnungslosigkeit und Passivität. Ich hatte das Gefühl, meine Neugier und jegliche Kreativität verloren zu haben. Trotzdem habe ich mit der Musik immer weiter gemacht und darauf vertraut, dass die Routine mich wieder auf die Beine bringt – und als es mir nach einigen Monaten wieder besser ging, konnte ich die Kompositionen mit meinem wiedergewonnenen Enthusiasmus überarbeiten.

Carsten Schrader: Hast du in dieser Zeit nie an der Musik gezweifelt?

Anna von Hausswolff: Die Musik ist immer da, weswegen es als Musiker auch nahezu unmöglich ist, sich auszuruhen: Ständig sucht, entwickelt und hinterfragt man. Ich habe nicht an der Musik, sondern an mir gezweifelt.

 

Anna von Hausswolff „Dead Magic“ erscheint bei Cityslang (Universal Music).

Leseempfehlung