Foto Technik-Kolumne - OKAY, UND WO SOLL DAS ALLES HIN?
Foto: Vivien Gross
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OKAY, UND WO SOLL DAS ALLES HIN?

Michael Schock kultiviert eine Doppelmoral.

"Schau nur, schau nur! Wenn ich das aufklappe, entfaltet sich ein kleines Papptheater, und hörst du das Gedudel? Das ist ein Midi-Player, eingebaut im Frontcover, der spielt eine spezielle Version des Titeltracks! Und guck, guck!, das Vinyl ist zweifarbig, und ne CD liegt auch noch bei!" Dass ich nicht dabei hüpfe, wenn ich Freunden meine limitierte Version des neuen Albums von Father John Misty zeige, ist noch das Einzige. Und was ernte ich? Blödes Grinsen und verdutzte Fragen wie: "Und du hast 50 Euro dafür gezahlt?!" Ja, ich wurde sogar schon von Musikern selbst dafür belächelt, dass ich Vinyl kaufe. So komische deutsche Ex-Indierocker, die ihre Seele an die Werbeindustrie verkauft haben, ach, sollen sie in der Hölle verrotten! Aber nun stehe ich vor meinem vollgestopften Spieleregal und denke: Wäh, was soll das? Diese ganzen hässlichen, riesigen Schachteln. Ich hab keinen Platz mehr, verdammt! Und das will doch keiner haben! Es ist das Jahr 2015, und ich ergebe mich der digitalen Distribution, sehe den Komfort, ein Spiel im digitalen Laden einfach anzuklicken und auf die Festplatte zu ziehen. Denn ehrlich, viele Spiele haben fürchterliches Packungsartwork, und selbst die limitierten Boxen sind vollgestopft mit mülligem Kinderspielzeug. Plastikfiguren zum Aufstellen, dünne Artbooks ohne echten Mehrwert, dazu eine Soundtrack-CD - sorry, aber die Spiele mit lohnender Untermalung kann man immer noch an einer Hand abzählen. Nein, für Musik wird das wohl nie bei mir gelten, aber in Sachen Spiele gebe ich zu: Digital ist besser. Wäre da nur nicht die winzige Festplatte ...