MIT DAENEN GEHT'S UNS GUT
Auf dem Spot Festival in Aarhus haben wir fünf Newcomeracts entdeckt, die wir ganz schnell wiedersehen wollen. Für einen würden wir sogar ein Label gründen.
Von Carsten Schrader
Slaughter Beach (Foto)
Während sich derzeit alle um einen möglichst abgedrehten Stilmix bemühen, besinnt sich das Trio aus Odense auf einen vermeintlich abgesagten Sound - und klingt dabei wesentlich frischer als ein Großteil der Kollegen aus der Post-Genre-Abteilung. Fragt man Slaughter Beach nach ihren Einflüssen, erzählen sie von ihrer Leidenschaft für US-Indie der 90er, schwärmen von den Klassikern der 60er und 70er und rechtfertigen ihren Sinn für eingängige Melodien mit einer Sympathie für 80er-Mainstreampop. Wie sehr zudem britische Shoegaze-Helden à la Ride und Slowdive rauszuhören sind, erklärt auch, warum Line Of Best Fit schon angebissen hat - bei gerade mal drei veröffentlichten Songs auf ihrer Soundcloud-Seite. Eine EP ist in Arbeit, wo sie erscheinen wird, ist aber noch ungewiss. "Von Anfang an war unser Dogma, nicht allzu viel Energie auf die Suche nach einem Label zu verschwenden, sondern lieber an der Musik zu arbeiten", sagt Gitarrist Mads Emil Aagaard und zuckt die Schultern. Also bitte, Plattenfirmenmenschen, den Kontakt zur Band findet ihr auf Facebook. Wir geben euch acht Wochen ...
AV AV AV
In Dänemark müssen sich ELOQ, UNKWON und DJ E.D.D.E.H. mit dem Stigma rumschlagen, eine DJ-Supergroup zu sein: Jeder für sich füllt nicht nur die größten Clubs des Landes, auch das Roskilde Festival haben sie bereits aufgemischt. Eigentlich hatte DJ E.D.D.E.H. seine alten Freunde nur zum gemeinsamen Urlaub eingeladen, doch dann saßen sie in dem Ferienhaus außerhalb Kopenhagens bei Drinks und ihren Lieblingsplatten und fingen plötzlich an, Tracks zu produzieren. "Als DJs haben wir jahrelang für andere aufgelegt", sagt ELOQ, "und jetzt bauen wir Songs für uns selbst, die im Club, aber auch bei der Fahrradfahrt zur Arbeit funktionieren." AV AV AV definieren sich als Musiker der Generation Trentemøller, doch mit ihrer soeben erschienen Debüt-EP "They live" sind sie viel mehr noch die dänische Antwort auf Moderat.
First Hate
Man merkt es sehr schnell: Die beiden 22-Jährigen teilen sich den Proberaum mit Iceage. "Wir würden niemals Verträge unterschreiben, bei denen nicht abgesichert ist, dass wir das Artwork, unsere Videos und all das selbst verantworten", stellt Sänger Anton Falck Gansted klar. Die EP "First Hate" erschien letztes Jahr bei Bad Actors Inc, dem Label des Fucked-Up-Gitarristen Ben Cook, und erinnert an ganz frühe Depeche-Mode-Sachen - mit Ian Curtis am Mikro. Seitdem waren sie mit Trentemøller und Iceage auf Tour, und zwischendurch spielen First Hate auch mal mit einer Metalband. "Genres sind doch scheißegal, was passen muss, ist die Haltung", kommentiert Ganstedt die seltsame Kombi. Da sind wir gespannt, wie die zweite EP klingen wird, die für den Herbst geplant.
Kentaur
Mit nur einem einzigen Song haben sie die dänische Musikszene auf den Kopf gestellt: Kaum geisterte "Matter & Stone" durchs Netz, war von Referenzgrößen wie James Blake und Kwabs die Rede, und jeder wollte wissen, wer hinter Kantaur steckt. Doch die drei Freunde, die sich beim Songwriting-Studium am Kopenhagener Konservatorium kennengelernt haben, geizen noch mit Infos und Bildmaterial. Erst mal soll die für Juni geplante Debüt-EP für sich sprechen, und ihr melancholischer Pop mit starken Bezügen zu R'n'B der 80er und Neo-Soul hat auch keine reißerische Zeitgeistbio nötig. Fakt ist: Bei Konzerten setzen sie ihre Songs als Sextett um, was sie gerade mit umjubelten Supportshows für Turboweekend geprobt haben.
Paper Cranes
Die drei Jungs aus Odense und Aarhus hatten ihren James-Blake-Moment: "Wir waren noch in der Findungsphase, als ,Retrograde' erschien. Da war klar: Wir müssen diese Gefühlsintensität erreichen, wenn wir unsere so unterschiedlichen Vorlieben für Elektro, Jazz und Indierock verschmelzen", erzählt Lars Asger Nørby. Inzwischen ist die Debüt-EP der Paper Cranes fast fertig, der man nicht nur eine große Affinität zu Apparat, Modeselektor und der deutschen Elektroszene anhört. Ihren stärksten Song "Kowloon" könnten sie auch erhobenen Hauptes einem James Blake vorspielen: Sänger Jacob hat ihn geschrieben, als er während einer Asienreise in Kowloon auf dem Dach eines Wolkenkratzers gezeltet hat.


