JUGEND, FORSCH
Okay, geben wir's zu: Die erst 19-jährige irische Songwriterin Soak ist so, wie wir alle sein wollen. Noch.
Interview: Carsten Schrader
uMag: Bridie, du hast deinem Debüt mit "Before we forget how to dream" einen ungemein passendem Titel gegeben, denn in den Songs feierst du das unbekümmerte Teenagerdasein: Liebe ist kompromisslos, eine Trennung stellt den Sinn des Lebens in Frage, und die schnöden Alltagspflichten nerven, weil sie bei den Zukunftsträumereien stören. Hast du große Angst davor, erwachsen zu werden?
Bridie Monds-Watson: Die Hälfte der Songs habe ich zwischen 13 und 16 geschrieben, und den unbedingten Glauben an bestimmte Dinge möchte ich auch nie verlieren. Aber da ich durch die Musikindustrie gezwungen war, schneller reifer zu werden als üblich, weiß ich auch, dass Verantwortung nicht schlecht ist. Es kommt immer darauf an, wie man das Erwachsenwerden für sich definiert, und ob man seine Freiräume nutzt.
uMag: Vervielfachen sich für dich jetzt nicht die Gefahren, businessmäßig korrumpiert zu werden, wenn du mit dem Album so richtig in der Musikindustrie mitmischst?
Monds-Watson: Ich habe extra lange gewartet, bevor ich einen Vertrag unterschrieben habe, und ich habe mich auch ganz bewusst für ein Indielabel entschieden. Schon mit 15 fand ich die Vorstellung widerlich, in einen Raum geführt zu werden, wo mir dann ein Team, das ansonsten für One Direction schreibt, Songideen für mich vorstellt. Gerade weil ich jetzt schon einige Jahre als Musikerin unterwegs bin, weiß ich ziemlich genau, was ich will. Anders als beim Major kümmere ich mich etwa um meinen Social-Media-Kram und entscheide selbst, was ich von mir preisgebe. Das ist der Idealismus, den man sich erhalten sollte, wenn es ans Sich-Einrichten geht: Nehme ich nicht lieber die größere Anstrengung in Kauf, an zwei Abenden hintereinander in einem kleineren Club zu spielen, als ich der unpersönlichen und sterilen Halle aufzutreten?
uMag: Deine Texte sind sehr persönlich, und du hast dich auch ganz selbstverständlich geoutet. Trotzdem bist du jetzt genervt, wenn man dich auf deine Sexualität anspricht, oder?
Monds-Watson: Es nervt mich nicht, aber es war für mich einfach nie eine große Sache. Deswegen habe ich auch keine Lust, explizit schwulen Medien, monothematische Interviews zu geben. Ich weiß dann einfach nicht, was ich sagen soll.
uMag: Bereust du dein Outing?
Monds-Watson: Im Gegenteil, ich finde es ganz schlimm, wenn Musiker das aus karrieristischen Gründen verheimlichen. Zu seiner Sexualität sollte man immer stehen - es sei denn, man lebt in einer Gesellschaft, in der man damit die eigene Sicherheit oder eine strafrechtliche Verfolgung riskiert. Aber ich finde es auch diskriminierend, wenn es ständig als Attribut herangezogen wird, um meine Musik zu kategorisieren: Soak ist lesbisch, und sie macht akustische, sehr nachdenkliche Musik.
uMag: Andererseits könntest du dadurch vor allem für deine jüngeren Fans ein Vorbild sein.
Monds-Watson: Klar, und das finde ich auch sehr wichtig, weil ich weiß, dass es immer noch sehr viele Kids gibt, die wegen ihrer Sexualität unsicher und verängstigt sind. Ich werde mich immer gegen Diskriminierung einsetzen und für eine Gleichberechtigung kämpfen, von der wir noch weit entfernt sind. Aber ebenso, wie ich meine Sexualität nicht verheimliche - auch, um nicht Leute zu erreichen, die man nicht erreichen will - stilisiere ich meine Jugend auch nicht als problembeladen. Meine Texte will ich nicht mit einer angenommenen Fremdwahrnehmung durchdenken.
uMag: Du hast nicht mal die Texte, die du mit 13 geschrieben hast, überarbeitet und vom Kitsch befreit?
Monds-Watson: Kein Wort, und ich betrachte es als großes Kompliment, dass du das angenommen hast. Überhaupt glaube ich, dass Kitsch am häufigsten dann entsteht, wenn man versucht, Kitsch zu vermeiden.


