Foto: Zora Rux
> Dietrich Brüggemann

AB AUF DIE SCHULBANK!

Der Regisseur Dietrich Brüggemann hat dem publikumsfeindlichen Intellektuellenkino den Untergang gewünscht. Dumm nur, dass er selber Filme dreht, die keiner sehen will.

Von Volker Sievert

"Willkommen in der Welt des künstlerisch hochwertigen Kinos, willkommen in einer Welt aus quälender Langeweile und bohrender Pein." So polemisierte der Regisseur Dietrich Brüggemann (39) 2013 unter der Überschrift "Fahr zur Hölle, Berliner Schule" gegen die Stilrichtung des deutschen Films, die von einer unterkühlten Ästhetik, erzählerischer Sperrigkeit und starker Künstlichkeit geprägt ist.
Man muss in der Tat nicht mögen, was Christian Petzold, Thomas Arslan oder Christoph Hochhäusler in "Gespenster", "Gold" oder "Unter mir die Stadt" so machen. Es ist, wie es Brüggemann in weniger sachlichen Worten schrieb, nicht sehr zuschauerfreundlich, ohne echte Emotionen und kann auf seine Weise genauso unerträglich sein wie das pubertäre Hochglanzkuschelkino von Schweiger oder Schweighöfer (das Brüggemann auch verhasst ist). Und, auch das stimmt, zwischen Kopfkacke und Kackiwitz gibt es im deutschen Kino derzeit wenig Kreatives, Wildes, Fantasievolles. Doch wer einer künstlerischen Ausrichtung mal eben die Berechtigung abspricht, der sollte selber Kunst von satisfaktionsfähiger Qualität vorweisen können. Brüggemann jedoch dreht Filme ("Renn, wenn du kannst", "3 Zimmer/Küche/Bad"), die genauso nischig sind wie die Berliner Schule und weniger von Können als von Wollen gekennzeichnet sind.
Die Deutschlandsatire "Heil" ist der Knebel, mit dem Brüggemann sich selber den Mund stopfen sollte: Er will mit Nazis, Talkshowidioten, Politik und den Medien abrechnen, erschöpft sich aber in platten Hanswurstereien über legasthenische Skins ("Wheit Pauer"!) und Richter, die wortwörtlich auf dem rechten Auge blind sind. Zum Kringeln. Damit lockt er nicht einmal die auf Hanswurstereien eigentlich ansprechende "Keinohrschlussmacher"-Klientel an, denn er ist ja leider Brüggemann und nicht Schweiger. Ins verhasste Feuilleton, das immer die verhasste Berliner Schule bejubelt, kommt er mit seinem Film aber auch nicht,. So ist Dietrich Brüggemann doppelt gescheitert, denn er hat genau das ins Kino gebracht, was für ihn die Berliner Schule ist: Kino, das keiner guckt, und nach dem man sich am liebsten betrinken möchte.

"Heil" startet am 17. Juli