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Andreas Spechtl hat die Ideen seines Soloalbums auf der halben Welt aufgezeichnet - und dabei einen Rückzugsort entdeckt, dem er nicht mehr entkommt.

Interview: Carsten Schrader/Lasse Nehren

uMag: Andreas, unter dem Namen Sleep veröffentlichst du Ende Juli dein Solodebüt und machst damit einen großen Schritt weg von Ja, Panik: "Sleep" ist experimenteller und instrumenteller, man hört Saxofon und sogar Field Recordings ...
Andreas Spechtl: Wenn ich früher Stücke geschrieben habe, habe ich ich sie oft in mein Handy oder so einen kleinen portablen Rekorder gesungen, im Gehen oder irgendwo unterwegs. Irgendwann habe ich mir mal ganz alte Aufnahmen angehört, quasi die allerersten Demos von Ja, Panik, oder: die Momente, wo sie entstanden sind, und ich fand es wahnsinnig interessant, im Hintergrund Geräusche von der Straße, aus dem Park oder, wenn ich in meinem Zimmer war, von dem, was vor dem Fenster passiert ist, wahrzunehmen. Was ich mit der Sleep-Platte ein bisschen probiert habe, ist, diesen Moment, wo einem etwas einfällt, zu übersetzen. Quasi diesen gap zu überspringen zwischen: Man schafft etwas und nimmt es dann Monate später in einem Studio auf. Den Schaffens- und den Aufnahmeprozess zusammenzubringen.

uMag: Da ihr auch im Auftrag des Goethe-Instituts viel auf Reisen seid: Hast du die Chance genutzt, an fremden Orten aufzunehmen?
Spechtl: Die Grundskizzen sind eigentlich alle in irgendeiner Form unterwegs entstanden: in verschiedenen Teilen von Europa, im Nahen Osten und auch in Afrika. Aber im Endeffekt habe ich dann immer wieder alles nach Berlin zurückgetragen und dort prozessiert. Und da fand ich interessant: Du kannst auf der ganzen Welt unterwegs sein, und der Moment, wo nichts anders ist als zuhause, ist der, in dem du einschläfst. Der Moment, wo man die Sachen verarbeitet, die in der wirklichen Welt entstanden sind, ist auch der Ort, der sich am wenigsten unterscheidet von meiner Wohnung in Berlin.

uMag: Wolltest du dieses abstrakte Thema verhandeln, indem du es bewusst in den Kontext experimenteller Musiktraditionen stellst?
Spechtl: Grundsätzlich ist ja Musik oder Popkultur - oder: Kultur - ein einziges Anknüpfen an oder Sich-Freimachen von Traditionen: Dinge verwerfen, in ein neues Licht stellen ... Ich würde mir eitel vorkommen, wenn ich sagen würde, die Platte knüpft irgendwie an eine Tradition an. Das tut sie eh, weil: So funktioniert Kulturgeschichte. Wer das leugnet, der macht sich selbst was vor. Und das Schwierige ist natürlich, dass es auch ins Gegenteil ausschlagen kann, wenn man diese Traditionen gar zu streng bewahren will. Dazu sind sie nicht da, dann würden wir alle noch in Erdlöchern wohnen.