WER GUT IST, WIRD NICHT REICH
Alfonso Lanza vom Primavera hat eine klare Vorstellung davon, welche Festivals überleben werden - und einen ziemlich guten Tipp fürs Berlin Festival.
Interview: Carsten Schrader
uMag: Alfonso, in Deutschland haben wir die Situation, dass nach dem Boom jetzt das Festivalsterben einsetzt. Bekommt ihr davon auch etwas mit?
Alfonso Lanza: Natürlich, das ist ja ein internationals Problem. Nachdem der Tonträgerverkauf ins Stocken geraten ist, haben alle auf Konzerte und Festivals gesetzt, weil sie dachten, damit wäre noch Geld zu verdienen. Aber wenn du ein gutes Festivals machen willst, wirst du davon nicht reich. Meiner Meinung nach werden nur Festivals überleben, die anders sind. Wir haben uns für das naheliegendste Alleinstellungsmerkmal entschieden: das Line-up. Während die Bands auf den meisten Festivals identisch sind, holen wir Künstler, die gerade nicht auf Tour sind. Oft reist etwa eine Band nur für das Primavera aus den USA an.
uMag: Ist das der Grund, warum ihr ziemlich viel Werbung zulassen müsst und auch die Bühnen nach Sponsoren benannt sind?
Lanza: So lange die Sponsoren keinen Einfluss auf das Line-up haben, finde ich das nicht so schlimm, und ohne diese Gelder könnten wir uns so ein Programm nicht leisten. Wegen der Gagen mussten wir expandieren, aber wir sind organisch gewachsen, und größer wollen wir nicht werden.
uMag: Hast du einen Tipp für die Macher des Berlin Festivals, die seit Jahren straucheln und nach einem funktionierendem Konzept suchen?
Lanza: Mich wundert eh, dass es in den wenigsten Großstädten ein urbanes Festival gibt. Man sollte auf den eigenen Sinn für Qualität vertrauen, statt ein Zielpublikum zu suchen, dass man erfolgreich bedienen kann. Jetzt setzt Berlin ja vor allem auf DJs und Clubacts. Vielleicht funktioniert das - auch wenn es natürlich das ist, was man in Berlin eigentlich an jedem Wochenende haben kann.


