Foto: Stephanie von Becker
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GESTATTEN: SAFI

Noch fliegt das Leipziger Trio unter dem Radar. Beste Vorausetzungen, um das System unbemerkt zu infiltrieren.

Von Lasse Nehren

"Alle laufen mit der Zeit", heißt es da, im Opener der zweiten SAFI-Platte, und das Problem ist ja, die Mitläufer und Trendkäufer und Hugo-Säufer rennen alle bloß durch offene Türen, auf den ewig selben Korridoren der Contenance. (Womöglich) benannt nach dem Gott der Türen und Tore, versperrt "Janus" den Weg: Das Album passt nicht, verkantet, fordert mit zwei Gitarren und einem Schlagzeug den Bruch ein. Zum Kreischen von Feedbacks beginnen bourgeoise Ikea-Lebensträume zu flackern und bersten schließlich wie billige Glühbirnen. Im Dunkeln ist zwar schlecht Schunkeln, doch das schwarze Tableau wird zur Tabula rasa für Neues. Neues, das nicht nur laut ist, sondern vieles: brachial, sinister und ausladend, leise und klaustrophobisch, melodiös, gar hymnisch, postpunkpoppig und kammerspielartig. "Ich sammle Fragezeichen", postuliert die namensgebende Sängerin Safi - und legt überzeugend nahe, dass es mehr als nur ein paar voreilig gesetzte Punkte gibt, die getilgt gehören.