PROVOBONUS
Der Vintagefolkrocker Ezra Furman geht gern in Frauenkleidern auf die Bühne. Doch an intolerante Arschlöcher denkt er dabei erst in zweiter Linie.
Von Carsten Schrader
"Die Arschlöcher interessieren mich nicht!", poltert Ezra Furman, legt dann aber eine seiner charakteristischen Sprechpausen ein. "Warum sollte ich die provozieren wollen?", fragt er schließlich, um sich wiederum eine ganze Weile später selbst breit grinsend die Antwort zu geben: "Na ja, als Bonus nehme ich das schon ganz gern mit." Wenn der 28-jährige Musiker aus San Francisco in Frauenkleidern auf die Bühne steigt, ist das keine Performance, sondern eine Unabhängigkeitserklärung, die er zum Überleben braucht. "Wenn mich die strikte Unterteilung in zwei Geschlechter in meinem Alltag verletzt und einschränkt und ich die von mir geforderte Maskulinität nicht leben kann und auch nicht will, dann fordere ich von mir selbst auch die Aufrichtigkeit, diesen Zwiespalt auf die Bühne zu tragen." Die ehrliche Kommunikation mit seinem Publikum ist dem Künstler Furman extrem wichtig - gerade weil ihm gewisse Themen im Alltag so große Schwierigkeiten bereiten. Nach vier nur mäßig erfolgreichen Alben betrachtete er 2013 "Day of the Dog" als letzte Chance - und plötzlich ging insbesondere England auf Furmans Vintagefolkrock steil. Mit dem neuen Album "Perpetual Motion People" macht er noch stärker auf, und während Furman musikalisch die großen Popmomente nicht scheut, werden seine Texte persönlicher und abgründiger. Etwa mit dem Song "Ordinary Life", der sich vor der Genderaktivistin Kate Bornstein und ihrem Konzept des nicht festgelegten Lebens verneigt, aber eben auch die Neigung zur Selbstzerstörung aufgreift: "Über dieses Thema könnte ich mit niemanden reden", sagt er, "da funktioniert die Kommunikation nur über einen Song." Und den sollen ruhig auch die intoleranten Arschlöcher hören.


