ALTER FÜR SCHÖNHEIT
Mit gerade einmal 20 spricht die Londoner Songwriterin Flo Morrissey schon vom Älterwerden - und singt Songs einer 15-Jährigen.
Interview: Carsten Schrader/Lasse Nehren
uMag: Flo, auf deinem Debütalbum "Tomorrow will be beautiful" befinden sich unter anderem Songs, die du bereits mit 15 geschrieben hast. Hast du jetzt, mit 20, noch immer das Gefühl, dass diese Songs für dich sprechen können?
Flo Morrissey: Ja - aus irgendeinem Grund habe ich das Gefühl, die Songs ergeben für mich heute mehr Sinn, als sie es damals getan haben. Ich schätze, oft wusste ich im Grunde noch gar nicht, worüber ich schreibe, und heute kann ich vieles einordnen. Es ist schon schräg zu spüren, wie stark die Songs in mir nachhallen.
uMag: Du hast diese Songs überhaupt nicht überarbeitet?
Morrissey: Merkwürdigerweise nicht. Wer weiß: Wenn ich 21 bin, wünsche ich mir vielleicht bereits, ich hätte doch lieber alles geändert. Gerade habe ich aber das Gefühl, sie sind exakt so roh und natürlich, wie sie sein sollten - und auch Wörter auszutauschen, würde sich falsch anfühlen. Schließlich habe ich damals eben genau dieses Wort gefühlt.
uMag: Hat sich deine Art, Texte zu schreiben, im Vergleich zu damals verändert? Organisierst du dich heute stärker - wie etwa Nick Cave, der sich feste Schreibzeiten verordnet?
Morrissey: Ich entwickle mich immer mehr in diese Richtung, ja. Während man älter wird, muss man auch lernen, mit dem Gewöhnlichen umzugehen, weil eben nicht mehr alles so aufregend und inspirierend ist wie mit 15. Darum geht es auch auf "Tomorrow will be beautiful": Schönheit im Gewöhnlichen erkennen und in eigentlich allem Inspiration finden zu können. Also ja: Manchmal setze ich mich einfach hin und verordne mir eine Stunde Songwriting. Das hilft mir auch bei Schreibblockaden - denn selbst, wenn man nur Müll produziert, benutzt man dabei wenigstens sein Hirn.


